Jori Kern, Weinheim
Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2025 in Weinheim
- Sperrfrist: 6.8., Redebeginn: 18:30 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe Freundinnen und Freunde,
heute, 80 Jahre nach den verheerenden Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, stehen wir hier zusammen, um der über 200.000 Opfer zu gedenken – und um zu mahnen: Nie wieder!
Am 6. und 9. August 1945 wurden binnen weniger Sekunden ganze Stadtteile ausgelöscht. Menschen verdampften im gleißenden Licht, andere starben qualvoll an Verbrennungen und Strahlenkrankheit. Kinder, Frauen, Männer – unschuldige Zivilisten zahlten den Preis für eine Machtdemonstration, die den Grundstein für ein Wettrüsten legte, das uns bis heute bedroht.
Doch anstatt aus dieser Katastrophe zu lernen, leben wir heute in einer Welt mit etwa 13.000 Atomsprengköpfen. Und die Gefahr wächst wieder: Der Krieg Russlands hat nukleare Drohungen zurück in die Schlagzeilen gebracht. In Nahost eskaliert die Gewalt, während Atommächte direkt oder indirekt beteiligt sind. Die Doomsday Clock steht so nah am Weltuntergang wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Besonders perfide ist dabei die Heuchelei der Atommächte. Sie predigen Abrüstung, während sie ihre Arsenale modernisieren. Sie pochen auf den Atomwaffensperrvertrag, wenn es um Iran oder Nordkorea geht, schweigen aber zu undeklarierten Atomwaffen oder den nuklearen Ambitionen verbündeter Staaten. Diese selektive Anwendung des Völkerrechts untergräbt jede Glaubwürdigkeit.
Die sogenannte nukleare Abschreckung ist ein Trugschluss. Sie bedeutet nichts anderes, als den Weltfrieden auf der Bereitschaft zum Massenmord zu gründen. Jede Atomwaffe ist eine Geisel der Menschheit. Jede Drohung mit nuklearen Waffen ist eine Drohung gegen uns alle.
Wir brauchen eine Welt ohne Atomwaffen – nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt. Wir brauchen eine Friedenspolitik, die auf Diplomatie und Kooperation setzt, nicht auf Drohungen und Wettrüsten. Wir brauchen Politiker, die den Mut haben, aus der Logik der nuklearen Abschreckung auszusteigen.
Die Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki – die Hibakusha – haben ihr Leben lang vor den Schrecken der Atomwaffen gewarnt. Ihre Stimmen werden leiser, aber ihre Botschaft muss weiterleben: Nie wieder dürfen Atomwaffen eingesetzt werden. Nie wieder dürfen wir zulassen, dass nukleare Erpressung die Politik bestimmt.
Der Weg zu einer atomwaffenfreien Welt beginnt hier, heute, mit jedem von uns. Lasst uns die Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki zu einem Auftrag machen: Für Frieden, für Abrüstung, für eine Zukunft ohne die Angst vor der atomaren Vernichtung.
Die Toten mahnen uns – die Lebenden müssen handeln.
Nie wieder Hiroshima! Nie wieder Nagasaki! Nie wieder Atomwaffen!
Jori Kern ist bei der Linke Weinheim