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Redebeitrag für den Ostermarsch in Alpirsbach am 19. April 2025
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
Es kommt mir heute die Aufgabe zu, Sie und Euch von Seiten der Kirche mit einem Friedenswort zu grüßen. Friede sei mit euch! So begrüßt der Auferstandene seine Jünger an Ostern.
Aber es ist Krieg, Krieg in Israel und Gaza, Krieg im Sudan und Krieg in der Ukraine. Wir sind fassungslos und entsetzt. Drohnen, Streubomben, Raketen, Panzer und schwer bewaffnete Soldaten verwüsten ganze Landstriche und töten Abertausende. Die Bilder von Zerstörung und von verzweifelten Menschen flimmern vor unseren Augen.
Aber sind wir denn so weit weg von der Gewalt? Sind wir hier tief im Westen so unschuldig, so friedfertig? Ich glaube nicht. Wir kennen Zwischenfälle bei Demonstrationen, erfahren von zunehmender Gewalt gegen Personen des öffentlichen Lebens. Das spüren wir bei alltäglichen Konflikten, wenn uns die Meinung eines anderen nicht passt.
Wir haben oft auch Krieg in uns! Nahezu alle Gefährdungen unseres Daseins lassen sich darauf zurückführen, dass Frieden fehlt. ,,Un-zu-friedenheit" ist zugleich Folge und Ursache für Unfriede in allen Lebensbereichen. Dagegen lässt sich alles Glück, aller Segen und alles Schöne in Verbindung bringen mit der Wirkung des Friedens, wo also Menschen zufrieden, d.h. zum Frieden fähig sind. Unser ganzes Leben hängt davon ab, dass wir Frieden finden und bewahren.
In Psalm 34, 15 findet sich der schöne Satz:
Suche Frieden und jage ihm nach - Das Bibelwort hat etwas Offensives. Der Satz könnte für sich genommen beinahe ein Fahndungsaufruf sein: „Gesucht: Frieden." Man muss ihn verfolgen, wie einen Tatverdächtigen.
Aber wissen wir noch, wen wir suchen, wenn wir Frieden suchen? Verwechseln wir ihn nicht manchmal mit Harmonie, mit Waffenstillstand oder mit dem Wunsch, einfach „in Frieden" gelassen zu werden?
Unser deutsches Wort „Friede" meint ursprünglich „Schonung". Diese Sinnrichtung begegnet uns noch in dem Wort „Einfriedung" und „Friedhof". Friede ist, wo Menschen geschützt sind vor äußeren Übergriffen.
Für den Frieden, wie er uns in der biblischen Tradition begegnet, ist das hebräische Wort „Shalom" maßgeblich. Shalom ist nicht bloß Abwesenheit von Krieg, sondern es meint das unversehrte Ganze. Shalom ist der lebensförderliche Zustand der Gemeinschaft, zwischen Mensch und Schöpfung und die Freundschaft zwischen Gott und Mensch. Frieden ist die Erfüllung des Heils.
In manchen Sprachen klingt auch die lateinische „pax" nach: peace, pace, paz. Friede als Pax erinnert an die dazu nötige Übereinkunft, an den Vertrag, den Pakt den Parteien miteinander schließen.
Frieden suchen und ihn jagen - das heißt, dass Friede nicht einfach verfügbar ist. Wer Frieden will, muss sich bewegen, seine Spuren entdecken und seine Motive kennen - wie bei einer Fahndung. Nur dass wir da nicht einem Verbrecher nachjagen, sondern dem Ende aller Zerstörung, dem Ende von Unrecht, Lüge und Gewalt.
Ich denke, dass es gut ist, die verschiedenen Züge des Friedens zu kennen, um ihm auf die Spur zu kommen: Wir brauchen Vereinbarungen, den Pakt - ebenso wie die Sehnsucht nach dem Unversehrten und dem, was verbindet und das Leben fördert. Zugleich sollten wir einen Sinn dafür haben, wo wir und andere Schutz und Schonung brauchen.
Ich wünsche dieser Veranstaltung und unseren Kundgebungen heute, dass die Menschen hier nicht nur unsere Unzufriedenheit mit den aktuellen Kriegszuständen spüren, sondern v.a. an uns den Frieden wahrnehmen, den wir suchen.
Denn schließlich finden wir, so glaube ich, den wahren Frieden bei dem, der letztlich allein Frieden geben kann. Ich vertraue auf den Gott des Friedens. In Jesus Christus überwindet er den gewaltsamen Tod, der letztlich Grund und Folge aller menschlichen Friedlosigkeit ist. ,,Friede sei mit euch!" ruft Jesus uns an Ostern zu. Was wir da feiern ist auch ein Fest gegen jeden Krieg in der Welt und in uns selbst.
Vielen Dank.
Christian Honold ist Pfarrer der Evang. Kirchengemeinde Alpirsbach.