Redebeitrag für den Ostermarsch in Freiburg am 19. April 2025

 

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Freundinnen und Freude,

als ich gefragt wurde, ob ich hier auf dem Ostermarsch eine Rede halten möchte, habe ich kurz gezögert - ich bin ehrlicherweise keine typische Ostermarschgängerin: Ich war schon mal dabei, aber halt auch einige Male nicht. Und trotzdem bin ich jetzt hier – weil ich überzeugt bin, dass wir gerade jetzt für Frieden auf die Straße gehen müssen - egal, ob wir das schon immer gemacht haben oder nicht.
Gerade jetzt, wo wieder über die Wehrpflicht diskutiert wird und „whatever it takes“ zur Aufrüstung gesagt wird, braucht es Menschen, die sich dem entgegenstellen.
Es braucht Menschen wie uns alle.

Ich stehe hier als Klimaaktivistin und ich könnte jetzt lange darüber sprechen, dass die Emissionen des Militärs 5,5% der weltweiten Treibhausgasemissionen ausmachen - inzwischen wahrscheinlich eher noch mehr. Oder darüber, wie Kriege ganze Ökosysteme zerstören. Aber das muss und will ich gar nicht – denn das ist nicht der Hauptgrund, warum ich gegen Krieg bin.

Für Klimaschutz zu sein, ist nämlich kein Selbstzweck. Genausowenig, wie es ein Selbstzweck ist, gegen Krieg und hemmungslose Aufrüstung zu sein. Wir sind gegen diese Dinge, vor allem, weil wir für etwas sind: Für ein gutes Leben für alle Menschen - jetzt und in Zukunft; hier und anderswo. Sei es in der Ukraine, im Gaza-Streifen, oder aber auch in Russland und Israel, wo ein Großteil der Bevölkerung auch unter dem Krieg und seinen Nebenwirkungen leidet.

Gerade im Angesicht der Klimakrise müssen wir lernen, Konflikte friedlich zu lösen – denn sie wird noch mehr davon bringen: Dürren, Ernteausfälle, Ressourcenknappheit.

Frieden braucht Klimaschutz – und Klimaschutz braucht Frieden.

Frieden ist Klimaschutz. Und Klimaschutz ist Friedenspolitik.

Ich stehe hier aber nicht nur als Klimaaktivistin, sondern auch als junge Frau.

Wir sind die Generation, die das Chaos aufräumen müssen wird - von Krieg, Klimakrise und sozialer Kälte.

Als junge Generation wollen wir unser Leben frei gestalten können – und eine Zukunft, die lebenswert ist.

Das heißt:

  • Frieden statt Krieg
  • Wahlfreiheit statt Wehrpflicht
  • Demokratie statt Rechtsruck
  • Teilhabe statt Diskriminierung
  • und Zukunftsinvestitionen statt Aufrüstungsexzesse

Von Krisen sind Frauen und TINA* besonders betroffen: Wir arbeiten in Berufen, in denen zuerst gekürzt wird, wir haben ein höheres Armutsrisiko und sind - besonders in Konflikten - geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt. Gleichzeitig sind gerade Frauen, queere Personen, junge Menschen und Menschen mit Migrationserfahrung in der wahrscheinlich neuen Regierung deutlich unterrepräsentiert, obwohl sie oft am meisten von Krisen betroffen sind.

Und ich stehe hier als Gewerkschafterin weil Beschäftigte in Pflege, Erziehung und im öffentlichen Dienst für ein System arbeiten, das sie immer weiter erschöpft – während Rüstungskonzerne Milliarden einstreichen.
Öffentliche Gelder dürfen nicht dafür sorgen, dass Konzerne Profit schlagen können aus Krise, Krieg und Tod, sondern müssen der breiten Gesellschaft zugutekommen.

Friedrich Merz aber kündigt eine Unternehmenssteuersenkung an, während er Entlastung für kleine und mittlere Einkommen unter Finanzierungsvorbehalt stellt. Heißt: Die Konzerne bekommen sofort – und wir vielleicht. Irgendwann. Wenn's reinpasst.

Aber vor Allem stehe ich hier als Mensch.

Als Mensch will ich nicht sehen, wie andere Menschen leiden und sterben. Ich will nicht zuschauen, wie Angst, Hetze und Gewalt zum politischen Normalzustand gemacht werden.
Ich will in einer freien, friedlichen und fairen Gesellschaft leben können und das geht nur mit Frieden, Klimaschutz, Gleichberechtigung und ordentlichen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur. Whatever it takes.

Wir alle stehen hier als Personen mit unterschiedlichsten Erfahrungen und wir alle sagen Ja. Ja zu Frieden, Ja zu Klimaschutz, Ja zu Gerechtigkeit und Ja zu Solidarität.

Aber wer Ja sagt, muss auch Nein sagen. Nein zu Krieg. Nein zu Hyperaufrüstung. Nein zu einem System, das Profite über Menschen stellt.

Danke, dass Ihr hier seid und Euch gemeinsam laut macht.

 

Greta Waltenberg ist Klimaaktivistin.