Redebeitrag für den Ostermarsch in Ellwangen am 19. April 2025

 

- Sperrfrist: 19.04., Redebeginn: 12 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Frieden schaffen – Aufrüstung stoppen Jetzt!

 

Liebe Friedensfreundinnen und Freunde!

In wenigen Tagen jährt sich das Ende des zweiten Weltkrieges zum achtzigsten Mal.

Die Lehren, welche unsere Mütter und Väter daraus gezogen haben lauten „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“.

Die Schrecken von damals sind nicht vergessen: Über sechs Millionen Menschenleben, unzählige Verletzte, Traumatisierte, in Herz und Seele verstümmelt – und sie rufen uns zu „Nie wieder!“

Doch der Kampf für den Frieden ist kein Relikt der Vergangenheit.

„Nie wieder ist JETZT!“ – und genau hier, genau heute, fordern wir ein entschlossenes Handeln!

Lernen wir, den Frieden mit all unserer Kraft zu verteidigen! Stellen wir uns dem wachsenden Hass, der Hetze, der Diskriminierung und der Ungerechtigkeit entgegen!

Schützen wir unsere Demokratie!

Kämpfen wir gegen Rassismus und Antisemitismus! Zeigen wir Zivilcourage.

Für uns hier und für die Menschen in Krisen und Kriegen weltweit.

Ja, wir Ostermarschiererinnen und Ostermarschierer haben eine klare Botschaft:

Das Töten in der Ukraine und in Palästina muss sofort ein Ende haben! Es ist GENUG! Lasst uns sofort die Friedensverhandlungen aufnehmen – für einen echten und dauerhaften Frieden!

Die Lösung für Gaza ist klar und unmissverständlich: Eine Zwei-Staaten-Lösung und die lückenlose Aufklärung der Kriegsverbrechen!

Und ja – auch diejenigen, die mutmaßlich für diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich sind, müssen zur Rechenschaft gezogen werden, mag ihr Name auch Netanjahu sein.

Die internationalen Strafbefehle des internationalen Gerichtshofs müssen durchgesetzt werden. Dabei darf es in keinem Land einen 'sicheren Hafen’ für Kriegsverbrecher geben! Nicht in Deutschland oder anderswo! Das erwarte ich vom zukünftigen Bundeskanzler Merz!

Und was erleben wir in Europa? Ein Rüstungswettlauf, der beispiellos ist!

Tag für Tag werden wir bombardiert mit kriegsverherrlichenden Nachrichten und Hetze. Die Luft ist erfüllt von der ahnungsvollen Paranoia, dass die Geister der Vergangenheit wieder erwachen könnten!

Geht es wirklich um Wehrhaftigkeit oder doch nur um Scheinargumente für eine historische Aufrüstung und Militarisierung unserer Gesellschaft?

Materielle und personelle Aufrüstung in nie dagewesenem Ausmaß! 500 Milliarden Euro! Ein Sondervermögen für Kriegsgerät!

Während die Aktienkurse der Rüstungsunternehmen – Rheinmetall, ThyssenKrupp, Hensoldt – wie Atompilze in die Höhe schießen, knallen die Champagnerkorken in den Vorstandsetagen.

Blutiger Profit auf Kosten unserer sozialen Sicherheit!

Um wessen Sicherheit geht es tatsächlich? Die von uns oder geht es um die Sicherheit der Aktiendepots die prall gefüllt sind mit Blackrock, Rheinmetall, ThyssenKrupp und Hensoldt?

Und das zeigt uns einmal mehr: Wir sollen ruhiggestellt werden mit einer inszenierten Bedrohung!

Ich zitiere: "Man muss davon ausgehen, dass Russland ab 2029 militärisch in der Lage sein wird, einen NATO-Staat anzugreifen", so Verteidigungsminister Pistorius. Denn Russland befinde sich in einer Kriegswirtschaft und rüste auf. „Wir müssen wieder wehrhaft werden“. Zitat Ende. Aber das ist nicht unsere Realität!!

Vor kurzem wird bei Miosga gefragt: Brauchen wir die Wehrpflicht wieder?

Ich sage, NEIN, das brauchen wir nicht!

Darum appelliere ich an Schulleiterinnen und Schulleiter, an Lehrerinnen und Lehrer: Wenn die Bundeswehr an eure Tür klopft, sagt laut und klar: NEIN!

Eltern, sagt NEIN zum Bundeswehrunterricht in unseren Schulen!

Schülerinnen und Schüler: Wenn Jugendoffiziere in eure Klassen kommen, sagt: NEIN! Geht raus!

Ich fordere: Kein Werben fürs Sterben in unseren Bildungseinrichtungen!

Wir wollen Friedenserziehung, wie es in der Verfassung von Baden-Württemberg festgeschrieben steht!

Die globalen Rüstungsausgaben haben im Jahr 2024 die schockierende Summe von 2,5 Billionen Euro erreicht!

In Deutschland sollen es 2025 unglaublich hohe 53,25 Milliarden Euro sein! Welch ein Wahnsinn!

Und während wir langsam, aber sicher in einem Rüstungsstaat leben, verdrängen Politiker die grundlegenden Bedarfe unseres Sozialstaates!

Fast jede fünfte Schule sanierungsbedürftig.

Jedes fünfte Kind lebt in Armut oder ist durch Armut gefährdet.

Jedes fünfte Kind geht hungrig zur Schule.

Junge Menschen finden keinen bezahlbaren Wohnraum.

Lebensmittel für jung und alt werden ständig teurerer.

Die Schlangen vor den Tafelläden werden immer länger.

Es fehlt an bezahlbaren Pflegeplätzen und Pflegepersonal.

Der Rüstungsstaat frisst genau das, was unser Sozialstaat für die sozial-ökologische

Transformation braucht.

Militarismus und Aufrüstung sind kein Weg in die solidarische Zukunft, die wir uns alle wünschen! Raketen sind keine Friedensstifter; sie drohen, und sie töten! Ein gerechter Frieden wird mit einem neuen atomaren Wettrüsten unerreichbar!

Daher fordern wir: Keine neuen Mittelstreckenraketen in Deutschland, in Europa und überall sonst!

Freunde, die neue Weltordnung mag undurchsichtig erscheinen – aber eines ist sicher: Mit einem neuen Rüstungswettlauf können wir den Frieden im 21. Jahrhundert nicht garantieren.

Darum vergessen wir nicht:

Es sind unsere Kinder, uns wenn ich sage unsere Kinder meine ich die Kinder von uns, den Arbeiterinnen und Arbeitern, die in Zukunft in den Schützengräben sitzen und sterben.

Sterben für den Reichtum und die Macht fremder. Sterben für Dividenden und für die Illusion der Freiheit.

Also was wollen wir volle kriegsbereite Kasernen oder voll intakte Schulen? Munition oder satte Kinder? Panzer oder bezahlbaren Wohnraum?

Deshalb: Friedensfähig statt kriegstüchtig! Das ist unsere Maxime!

Wir sagen:

  • Ja zu Abrüstungsverhandlungen – Nein zur europäischen Aufrüstung!
  • Keine neuen US-Raketen in Deutschland!
  • Diplomatie statt Kriegsverlängerung in der Ukraine!
  • Keine Waffenlieferungen an Israel!
  • Eine zwei Staatenlösung für Palästina!
  • Geld für Soziales, Gesundheit, Bildung, Klima – nicht für Rüstung!
  • Entwicklung einer sozialen Verteidigung statt Rüstungsforschung!
  • Schutz der Kriegsdienstverweigerinnen und Kriegsdienstverweigerer!
  • Unterstützung für Geflüchtete und Asylsuchende, statt Abschottung und Abschiebung!

Ja, aus Verantwortung sind wir Ostermarschiererinnen und Ostermarschierer unbequem – und das ist gut so!

Unsere Verantwortung drängt uns dazu, nicht nur heute, aber insbesondere heute für den Frieden einzustehen!

Wir stehen zum Schur der KZ-Häftlinge aus Buchenwald: „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“! Der Schwur ist aktueller denn je!

Ostermarschiererinnen und Ostermarschierer, Hand in Hand!

Also lasst uns marschieren! Vorwärts, für den Frieden!

Es lebe der Frieden der Völker!

Es lebe die internationale Solidarität!

Es lebe der Ostermarsch!

Frieden schaffen – Aufrüstung stoppen Jetzt!

 

Josef Mischko ist aktive beim Aalener Friedensbündnis.