Klaus Stampfer, Augsburg
Redebeitrag für den Ostermarsch in Augsburg am 19.04.2025
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
ich bin Klaus Stampfer und spreche für die Augsburger Friedensinitiative, kurz AFI, und
die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Gruppe
Augsburg, kurz DFG-VK.
Frieden zu erhalten ist für den Großteil unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger ein elementar wichtiges Ziel, dem kann man nur zustimmen. Spricht man über die Mittel und Wege, um Frieden zu erhalten, so stellt man bald fest, dass hierzu gegensätzliche Vorstellungen existieren. Da ist auf der einen Seite die Vorstellung, militärisch viel stärker als unsere Feinde zu sein, sodass diese es nicht wagen uns anzugreifen. Vielen ist diese Vorstellung einleuchtend. Dauerhalfter Friede besteht nach dieser Vorstellung dann, wenn alle Feinde niedergehalten oder vernichtet sind. Diametral entgegengesetzt gibt es eine andere Vorstellung: Mit Zusammenarbeit und Entspannungspolitik werden Interessensgegensätze ausgeglichen und damit die Ursachen von Kriege zu beseitigt. Wenn die Ursachen für Kriege und das Militär als Mittel zur Kriegsführung beseitigt sind, dann gibt nach dieser Vorstellung dauerhaften Frieden.
Betrachten wir nun die beiden Welten.
Wie sieht die Welt aus, in der die Feinde vernichtet oder zumindest abgeschreckt werden sollen? Hochgerüstete Blöcke stehen sich gegenüber. Jede Seite versucht militärisch stärker als seine Feinde zu sein. Jede Seite wird die Aufrüstung der Gegenseite als Bedrohung wahrnehmen. Um militärisch stärker als die Gegenseite zu sein, wird jede Seite weiter massiv aufrüsten. Eine Aufrüstungsspirale mit enormen Rüstungsausgaben auf allen Seiten ist die Folge. Wir erleben es gerade. Es gibt Stellvertreterkriege, um eigene Einflusssphären auszudehnen und um zu verhindern, dass die Feinde ihre Einflusssphären ausdehnen. Das Militär wird in ständiger Einsatzbereitschaft gehalten. Kriege aus Versehen sind wahrscheinlicher und Kriege am Ende einer Aufrüstungsspirale hat es bisher immer wieder Kriege gegeben. Weil unsere Mächtigen Kriege führen können und weil sie ihre Interessen vor allem gegen schwächere Gegner durchsetzen können, werden sie es tun. Gründe, wie die Aufrechterhaltung von Transportwegen, Absatzmärkten und Rohstoffquellen, die Durchsetzung von westlichen Werten, um nur einige zu nennen, lassen sich schnell finden. Auch unsere Mächtigen zählen nicht nur zu den Guten. Beispiele dafür gibt es genug, wie die Angriffskriege gegen Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen zeigen. Die Bevölkerung wird unter den hohen finanziellen Belastungen leiden. Sie muss kriegstüchtig und auf Kriege vorbereitet werden. Bürgerliche und demokratische Rechte werden eingeschränkt, um Widerstände gegen diese Politik zu unterbinden.
Das ist nicht die friedliche Welt wie wir uns sie vorstellen!
Wie sieht die alternative Welt aus?
Abraham Lincoln sagte: „Ich zerstöre meine Feinde, indem ich sie zu meinen Freunden mache.“ Dass es möglich ist, aus Feinde Freunde zu machen, zeigen die Beispiele in Europa. Frankreich wurde zum Erzfeind Deutschlands erklärt und von Deutschland im letzten Jahrhundert zweimal angegriffen. Heute sind aus Feinden Freunde geworden. Wir leben in einer Welt, in der gegenseitige Abhängigkeiten bestehen wie nie zuvor. Nicht Konfrontation, sondern die Zusammenarbeit mit allen Staaten ist notwendig. Mit Deeskalations- und Abrüstungsschritten wird den Gegnern signalisiert, dass man bereit ist, auch deren Interessen in einem diplomatischen Prozess zu berücksichtigen, dass mit vertrauensbildenden Maßnahmen eine Zusammenarbeit im gegenseitigen Interesse und zur gegenseitigen Sicherheit erreicht werden kann. Die zur Verfügung stehenden Gelder werden zum Beseitigen des Hungers, der sozialen Ungleichheit, der Milderung der Folgen des Klimawandels oder zur Verbesserung der Infrastruktur und in
Bildung eingesetzt. Ziel muss eine Welt sein, in der die Mächtigen nicht mehr die Möglichkeit haben, ihre Interessen mit militärischer Gewalt und mit Krieg durchzusetzen, weil es kein Militär zur Kriegsführung mehr gibt. Das ist die friedliche Welt, die wir anstreben und alle, die sich an den 121 Ostermärschen in Deutschland beteiligen. Das ist die Welt auf die wir zuarbeiten!
Uns ist klar, dass dieses Ziel weit in der Zukunft liegt.
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
die Grünen, SPD, CDU/CSU und AfD treiben die massive Aufrüstung der Bundeswehr voran, finanziert mit nach obenhin unbegrenzten Schulden. Mit Waffenlieferungen in die Ukraine rückt Deutschland immer weiter in den Kombattanten-Status und der Einsatz von Taurus-Raketen auf russischem Territorium wird nach Ansicht Moskaus einem Kriegseintritt Deutschlands gleichkommen. Die Waffenlieferungen an Israel bestärken Netanyahu gegen die Palästinenser vorzugehen, sie zu töten und zu vertreiben. Dieser Weg führt in die falsche Richtung. Wir fordern stattdessen, friedensfähig statt kriegstüchtig zu werden. Wir fordern von unseren Politikerinnen und Politikern die Aufrüstung zu beenden und zu einer Entspannungspolitik zu wechseln. Wir fordern von ihnen das zu tun, was im 2-plus-4-Vertrag steht, nämlich dass von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird.
Liebe Friedenfreunden und Friedenfreunde, ich komme nun zum Schluss.
Die Mächtigen sind nur so stark, wie wir sie unterstützen. Jede und Jeder kann sich jedoch weigern.
Junge Frau und junger Mann, wenn Du den Fragebogen der Bundeswehr bekommst, sage NEIN und schreibe, dass Du nicht zur Bundeswehr gehst. Reservist lass nicht zu, dass sie dich für einen Krieg einplanen, sage NEIN und verweigere den Kriegsdienst. Wir beraten dich und helfen Dir.
Du Arbeiter in den Rüstungsbetrieben fertigst Waffen mit denen Deinesgleichen, mit denen Frauen und Kinder getötet werden. Für Dich gibt es nur eins: Sag NEIN. Alle Bürgerinnen und Bürger, sagt JA zu einer friedlichen Welt ohne Waffen und gegenseitige Bedrohung. Sagt JA zu einer Welt, in der das Militär auf dem Müllhaufen derGeschichte landet. Engagiert euch in der Friedensbewegung!
Ich danke euch.
Klaus Stampfer ist aktiv in der Augsburger Friedensinitiative (AFI) und in der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Gruppe Augsburg.