Redebeitrag für den Ostermarsch in Traunstein am 19. April 2025

 

- Sperrfrist: 19.04., Redebeginn: 12 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Freundinnen und Freude,

wir leben heute in unsicheren Zeiten, im wohl dramatischsten Jahrzehnt seit 1945. In einer Zeit, in der Krieg wiederholt nach Europa zurückgekehrt ist und vieles in den letzten Jahrzehnten Erreichte wegzubrechen droht, ist unsere Geschichte heute eine Verpflichtung.

Krieg ist schrecklich, er trifft vor allem arme Menschen. Krieg und Armut gehören eng zusammen. Krieg kennt keine Grenzen und ist stets mit Eskalationsgefahren verbunden.

Wir müssen 80 Jahre nach Kriegsende wieder alles tun, damit unser Jahrzehnt nicht katastrophal endet. Das erfordert auch, Orientierung zu geben und Mut zu Reformen zu machen.

Die NaturFreunde Deutschlands haben eine politische Meinung, ohne parteipolitisch zu sein. Das ist gut und richtig in unserer Zeit, in der wir den Mut zur Mündigkeit brauchen, ganz so wie es bei Immanuel Kant heißt: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Vieles geben heute die Medien vor. Aber Selbstdenken bleibt entscheidend. Das verlangt Mut, macht aber auch Mut.

Wir setzen uns für eine gute Gesellschaft ein, für ein friedliches Zusammenleben und für eine sozial und ökologisch und ökonomisch gerechte Welt.

Daher bitten wir Euch, den Berliner Appell gegen neue Mittelstreckenwaffen zu unterzeichnen. Darin heißt es: „Die Gefahr, in einen atomaren Abgrund zu taumeln oder durch einen konventionellen Krieg umzukommen, ist real.“ Die Unterzeichner des Appells stehen wie wir NaturFreunde „für eine friedliche und solidarische Welt der Gemeinsamen Sicherheit, Solidarität und Nachhaltigkeit für alle Menschen“.

Wir sagen Nein zur Stationierung von Hyperschallraketen Dark Eagle in Deutschland, die militärisch nicht notwendig sind. Da sie auch atomar bestückt werden und bei einer Stationierung mit mehr als 3.000 Kilometern Reichweite auch Moskau erreichen können, erhöhen sie dramatisch die Gefahr der Selbstvernichtung unseres Landes - beabsichtigt oder als Fehlreaktion.

Wir bleiben dabei: Unsere Welt braucht die Suche nach Frieden und Gemeinsamkeit. Alles andere läuft in die falsche Richtung, denn „Ohne Frieden ist alles nichts!“. Wir müssen „friedensfähig“ sein. Das ist das Gebot unserer Zeit, in der wir uns im gefährlichsten Jahrzehnt seit Ende des Zweiten Weltkriegs befinden.

"Die Entscheidung zur Stationierung der Mittelstreckenwaffen in Deutschland ist eine Bedrohung für den Frieden in Europa“.

Bundesregierung und US-Regierung haben angekündigt, ab 2026 landgestützte Marschflugkörper, Hyperschallwaffen und Raketen der Vereinigten Staaten in Deutschland zu stationieren. Diese Waffensysteme können mit einer stark verkürzten Vorwarnzeit strategische Ziele, etwa Atomwaffenstandorte, in Russland treffen, was zu einer erhöhten Alarmbereitschaft in Russland führen kann und das Risiko von Fehlentscheidungen verschärft. Die Stationierung bedeutet somit einen neuen, gefährlichen Schritt im Wettrüsten und eine weitere Eskalationsgefahr. Vor diesem Hintergrund ist es unverantwortlich, dass die Entscheidung ohne eine gesellschaftliche Debatte getroffen wurde, nicht einmal der Bundestag wurde im Vorfeld informiert.

Die Entscheidung zur Stationierung der Mittelstreckenwaffen in Deutschland führt uns erneut in das mögliche Szenario eines Atomkriegs in Europa. Stattdessen sollten alle Parteien weiter eskalierende Schritte unterlassen und zur Rüstungskontrolle zurückkehren. Perspektivisch nötig sind Initiativen zur Abrüstung aller Mittelstreckenwaffen in Europa.

Unsere Forderungen sind im Einzelnen:

  • Ein Stopp der geplanten Stationierung neuer US-Mittelstreckensysteme in Deutschland;
  • Einen Abbruch der Projekte zur Entwicklung eigener, europäischer Hyperschallwaffen und Marschflugkörper, an denen Deutschland sich beteiligen will;
  • Dialog statt Aufrüstung: Die Wiederaufnahme von Verhandlungen über Rüstungskontrolle und (nukleare) Abrüstung (z.B. für ein multilaterales Folgeabkommen zum INF-Vertrag);
  • Neue Initiativen für gemeinsame Sicherheit und Zusammenarbeit und die langfristige Vision einer neuen Friedensordnung in Europa.

Vielen Dank.

 

Matthias Kolberg ist 1.Vorstand der Naturfreunde Deutschlands Ortsgruppe Traunreut.