Der Schwerpunkt der neuen Ausgabe des "FriedensForums" (Heft 4/2026) befasst sich mit alternativen Sicherheitskonzepten. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 9. August 2026 in Wedel
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe Friedensfreundinnen und -freunde,
ich freue mich, heute hier in Wedel sprechen zu können. Als ich vor über 40 Jahren Anfang der 1980er Jahren in der Friedensbewegung aktiv wurde, war das hier im Kreis Pinneberg, in der Friedenswerkstatt Pinneberg.
Damals war unser Hauptthema die Stationierung atomar bestückter Mittelstreckenraketen aus den USA in Europa. In den USA gab es die Vorstellung, im Kampf gegen die Sowjetunion einen Atomkrieg auf Europa begrenzen zu können. Für uns in Deutschland hätte das den atomaren Holocaust bedeutet.
Die damalige, recht breite Friedensbewegung leistete einen Beitrag dazu, dass diese Waffen schlussendlich vernichtet wurden. Der zwischen Reagan und Gorbatschow geschlossene INF-Vertrag führte zur Abrüstung der Mittelstreckenraketen und machte damit den Frieden ein Stück weit sicherer.
Dass dieser Vertrag zustande kam, dazu hatten wir als Friedensbewegung einen kleinen Beitrag geleistet. Präsident Reagan war von vielen in der Friedensbewegung zunächst als genauso durchgeknallter Typ wie heute Präsident Trump wahrgenommen worden. Trotzdem hat er später diesen Abrüstungsvertrag mit Gorbatschow geschlossen.
Heute ist das ganze Rüstungskontrollregime zusammengebrochen. Die USA haben die Verträge alle gekündigt, nicht nur den INF-Vertrag, auch die Beschränkung der Raketenabwehr, den Vertrag über den offenen Himmel, also die gegenseitige Rüstungskontrolle, und so weiter.
Heute haben wir wieder eine Hochrüstung wie in den Achtziger Jahren und zuvor, aber die diplomatischen Kanäle sind weitgehend zugeschüttet worden, Sicherheit wird wieder rein militärisch definiert.
Die Atommächte USA und Israel führen Krieg gegen die Nicht-Atommacht Iran.
Die geplante Aufnahme der Ukraine in die atomar bewaffnete NATO provozierte die Atommacht Russland zu seinem Angriff auf das Land.
Die Gefahr einer weiteren Eskalation dieser Kriege bis hin zu einem Atomkrieg ist sehr real.
Bis auf China sehen alle Atommächte in ihren Militärstrategien den Ersteinsatz von Atomwaffen vor, wenn sie ihre nationalen Interessen ernsthaft bedroht sehen. Sie sind alle bereit, Atomwaffen auch einzusetzen, ohne selbst atomar angegriffen worden zu sein.
Dieser Wahnsinn, der zur Zerstörung all dessen führt, was man vorgibt zu verteidigen, nennt sich „nukleare Abschreckung“. Frankreich und Deutschland wollen diesen Irrsinn ausbauen, in Deutschland gibt es sogar Stimmen, die eine eigenständige deutsche Atombewaffnung fordern.
Eine weitere Eskalation des Ukrainekriegs und die wahnwitzige Aufrüstung bedrohen unser aller Leben. In einem Atomkrieg gibt es keine Hilfe für die Überlebenden.
Wir haben uns heute hier versammelt, um der Opfer der Atomwaffenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zu gedenken, die uns mahnen, alles dafür zu tun, dass diese Waffen nicht noch einmal eingesetzt werden.
Dass wir das atomare Wettrüsten im kalten Krieg überlebt haben, war reiner Zufall. Viele Male wurde der Einsatz von Atomwaffen erst in letzter Minute gestoppt, nachdem die Warnsysteme fälschlich Angriffe gemeldet hatten.
Heute sind die Vorwarnzeiten weit geringer, die Systeme drohen immer stärker automatisiert zu werden. Eine menschliche Entscheidung wäre zu langsam, um die eigenen Waffen noch einsetzen zu können.
Wenn wir die Atomwaffen nicht abschaffen, ist das Überleben der Menschheit bedroht. Deutschland sollte auf den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland drängen und dem Atomwaffenverbotsvertrag beitreten.
Die herrschende Politik stellt uns Russland als Feind hin, den es militärisch zu besiegen gelte. Dieses Feindbild muss in der völligen Zerstörung unseres Landes enden. Eine Atommacht lässt sich nicht besiegen, ohne alles zu zerstören. Dasselbe Feindbild hat Deutschland schon in die Katastrophen des ersten und zweiten Weltkriegs geführt.
Wir müssen von diesem Feindbild wegkommen, wir müssen die Sicherheitsinteressen Russlands anerkennen und zu einer gemeinsamen Sicherheit finden. Sicherheit kann nicht militärisch erreicht werden, sondern nur gemeinsam über Diplomatie und Abrüstung.
Das ist auch deshalb notwendig, weil wir die drängenden Menschheitsprobleme, vor denen wir stehen, nur gemeinsam lösen können.
Die Kämpfe gegen die Klimakrise, das Artensterben, gegen Hunger und Armut, setzen weltweite Zusammenarbeit voraus. Wir dürfen unsere finanziellen Mittel nicht für das Militär verschwenden.
Sozialabbau, Rentenkürzungen und der Kahlschlag im Gesundheitswesen, fehlender bezahlbarer Wohnraum, all das sind die Folgen der Militarisierung und Hochrüstung, weil sich jeder Euro nur einmal ausgeben lässt.
Momentan sind wir als Friedensbewegung weit davon entfernt, eine Massenbewegung zu sein, wie in den Achtziger Jahren. Aber wir dürfen und werden nicht nachlassen, uns für Abrüstung und Völkerverständigung einzusetzen.
In Hamburg werden wir am 1.9., dem Antikriegstag, unter der Losung „Eure Kriege ohne uns“ auf die Straße gehen und hoffen auf eure Beteiligung.
Am 3. Oktober wird es bundesweite Demonstrationen in Stuttgart und Berlin geben. Für die Demo in Berlin werden wir Anreisemöglichkeiten per Bus organisieren.
Ich danke euch, dass ihr heute hier aktiv geworden seid.
Lasst uns auch weiterhin gemeinsam aktiv bleiben!
Dr. Markus Gunkel ist aktiv beim Hamburger Forum.