Der Schwerpunkt der neuen Ausgabe des "FriedensForums" (Heft 4/2026) befasst sich mit alternativen Sicherheitskonzepten. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2026 in Nürnberg
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe Freundinnen und Freunde,
wir erinnern an die ersten Atombomben-Abwürfe der USA auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, am 6. und 9. August 1945. Diese Bomben brachten Hunderttausenden von Menschen den Tod - durch die ungeheure Freisetzung von Energie, durch Druckwelle und zusammenstürzende Häuser, durch die ausgelösten Brände sowie durch die Unmöglichkeit medizinischer Hilfe. Und nicht zu vergessen, die langanhaltenden Wirkungen von radioaktiver Strahlung sowie des radioaktiven Fallouts. Die Stimmen der Hibakusha, der Überlebenden in Japan, ebenso wie die der weltweiten Friedensbewegung fordern seitdem, dass so etwas NIE WIEDER geschehen darf.
Die Atombomben in Japan waren die öffentliche Demonstration der neuen amerikanischen Superwaffe, die in jahrelanger geheimer Arbeit im Manhattan-Projekt hergestellt worden war. Es war klar, dass die Sowjetunion dies US-Monopol so schnell wie möglich brechen würde - damit war das atomare Wettrüsten des Kalten Krieges programmiert.
Dies war wirklich eine Zeitenwende: Zukünftige Kriege mit diesen Waffen könnten – erstmalig in der Menschheitsgeschichte – das Ende der Zivilisation bedeuten. Das zu vermeiden, muss absolute Priorität sein!
Dennoch gab es ein höllisches atomares Wettrüsten auch hier in Deutschland mit immer perfekteren Waffen. 2000 atomare Test- Explosionen waren Teil dieses Wahnsinns. Oft genug stand die Welt am Abgrund des Atomkriegs, siehe Kuba 1962. Gab es je die Chance für einen Ausstieg aus der menschheitsgefährdenden Eskalation?
Doch, die gab es! Grundlage waren die Entspannungspolitik sowie die blockübergreifenden KSZE-Verhandlungen in Helsinki. Als dann die Konfrontation in Europa durch die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen auf die Spitze getrieben wurde, mobilisierte das eine riesige internationale Friedensbewegung: das ermöglichte Gorbatschows Angebote und in der Folge eine große Abrüstungswelle.
1990 sprach man auf der Konferenz von Paris vom gemeinsamen Haus Europa! Deutschland konnte friedlich vereinigt werden, die osteuropäischen Länder wurden frei, die Sowjetunion zerfiel.
Doch bald vergaß man die Verhaltensregeln in so einem gemeinsamen Haus! Es gab wieder Kriege der Nationalismen in Europa, die NATO dehnte sich ostwärts aus bis an die Schmerzgrenze Russlands, das Wettrüsten erlebte ein Revival, jetzt boomt die Rüstung. Nicht erst seit dem zu verurteilenden Ukraine-Krieg werden wieder die klassischen Feindbilder gepflegt …
Auch das atomare Wettrüsten ist wieder voll entbrannt, ungebremst durch Verträge und noch gefährlicher durch die Anwendung neuartiger Technologien wie z.B. der Künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig wird die Gefahr einer atomaren Eskalation in unverantwortlicher Weise heruntergespielt. „Wir sollen kriegstüchtig werden!“ Sowas gibt es aber im Atomkrieg nicht, zumindest nicht für uns Bewohner des Schlachtfeldes!
Wir halten dagegen: Krieg und Sieg bringen keinen Frieden. Wir brauchen Deeskalation und ernsthafte Verhandlungen. Das mag mühsam sein und lange dauern, aber ist der mögliche Weg.
Der einzige Schutz vor Atomwaffen besteht in ihrer Abschaffung! Dazu müssen wir die Atomwaffen ächten, der erste Schritt dazu ist der Atomwaffen-Verbotsvertrag, den die UN-Vollversammlung 2017 beschlossen hat, der seit 2021 in Kraft ist und den mittlerweile 100 Staaten aus der ganzen Welt ratifiziert bzw. unterschrieben haben. Wir fordern den Beitritt Deutschlands:
- Deutschland muss die atomare Teilhabe in der NATO beenden,
- ebenso keine Atomwaffen Frankreichs hier akzeptieren
- oder gar eigene anschaffen, wie immer öfter gefordert wird!
Wir wollen ein friedliches, atomwaffenfreies Deutschland in einer atomwaffenfreien Welt. Nie wieder Hiroshima!
Vielen Danke.
Wolfgang Nick ist aktiv beim Friedensmuseum Nürnberg.