Redebeitrag für die Antikriegstagsveranstaltung am 1.September 2025 in Osnabrück

 

- Sperrfrist: 01.09.25, Redebeginn: 18 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Kriegsgegner*innen und Antifaschist*innen,
ja, am Antikriegstag erinnern wir an die Schrecken von Krieg und Faschismus– und wir beziehen dazu eine klare Haltung: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

Natürlich ist das nicht genug. Haltung zeigen bedeutet immer wieder auch, dafür zu streiten und denen, die dem durch Wort oder Tat widersprechen, entgegenzutreten.

Ihr wisst selbst, wie schwer es oft ist, die richtig empfundenen Worte zu finden. Zumal zu viele Anlässe so schrecklich sind, wütend machen. Aber es ist dann leichter, wenn wir uns bewusst bleiben, worauf es ankommt. Nämlich auf die Menschenwürde und die für uns alle gleich geltenden Menschenrechte. Wenn die für uns gültig und wesentlich erachtet sind, verteidigt zu werden … dann kennen, finden wir die richtigen Worte.

Diese Grundhaltung steht gegen Krieg und Faschismus und ist keinesfalls etwas Besonderes, fortschrittliches oder gar ideologisch okkupiert. Es ist die Grundidee eine Gesellschaft von Freien und Gleichen, wie es auch im Nachkriegsdeutschlang das Grundgesetz formulierte. Jedem opportunistischen oder populistischen Umgang steht der Antikriegstag entgegen.

Dazu gehört für uns Gewerkschafter*innen auch, dass wir uns deutlich von jedem Antisemitismus distanzieren. Kritik an der Politik der Mächtigen in Israel ist berechtigt und notwendig. Aber es ist niemals akzeptabel, dieses Vorgehen als „jüdisch“ zu diffamieren. Das ist nämlich antisemitischund bleibt Hetze. Dem stellen wir uns entgegen.

Gleichzeitig verurteilen wir jeden kriegerischen Akt, der auf Vernichtung und den äußerst problematisch behafteten Begriff Genozid zielt – ob von Trump, Putin oder von Hamas oder Hisbollah, Netanjahu. Die aktuellen Kriege werden gegen Bevölkerung geführt. Gnadenlos! Das ist die Kriegslogik. Das Recht auf Existenz gilt uneingeschränkt für die Menschen in Israel – und es gilt genauso für jede andere Gesellschaft, ob in der Ukraine, in Kurdistan, oder in Palästina. Jede andere Grundhaltung widerspricht den Lehren, die Anlass des Antikriegstages wurden. Der Antikriegstag erinnert uns auch daran: Antifaschismus heißt, dem Militarismus zu widersprechen. Antifaschismus heißt, Kriegstüchtigkeit als Bedrohung zu begreifen. Krieg ist kein Instrument von Politik, sondern von Unterdrückung und Zerstörung. Die kriegerische Macht – ob in Diktatur oder durch Kriegswirtschaft - erstört Demokratie, verschärft Ungleichheit und spaltet Gesellschaften, säht Hass und Gewalt.

Wir wissen: Militarisierung verschlingt unendliche Ressourcen. Das nimmt den Menschen, was sie für ein gutes Leben brauchen – Gesundheit, Bildung, soziale Sicherung. Wer Krieg vorbereitet, vernichtet Daseinsvorsorge. Gerade erst gab der Kanzler diese Absicht bekannt. Neuordnung des Sozialstaates, nannte der das. Die Angriffe auf wichtige Errungenschaften laufen bereits auf Hochtouren. Sei es die Grundsicherung, der 8-Stunden-Tag oder die Lohnfortzahlung. Das betriebene Aufrüsten betreibt die Zerstörung der Grundlagen des friedlichen, gleichberechtigten Zusammenlebens.

Darum stehen wir heute hier und verdeutlichen, was unser Motto bedeutet: Antifaschistisch statt kriegstüchtig!

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

 

Nicole Verlage ist aktiv beim DGB Osnabrück.