Redebeitrag für die Auftaktkundgebung in Fürth des Ostermarschs Nürnberg am 5. April 2021

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Krieg und Klimaschutz

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

lasst uns gemeinsam eine Welt schaffen, die gerecht ist. Wenn jeder und jede nur so viel nimmt, wie er oder sie wirklich braucht, dann haben wir keine Kriege und wir haben keine Probleme mit dem Klimaschutz. Letztendlich geht es immer darum, uns selber wirklich zu spüren.

Klimaschutz ist Friedensarbeit. Es geht um intra- und intergenerative Gerechtigkeit. Keine Ausbeutung mehr. Keine Ausbeutung der Natur, keine Ausbeutung von Menschen und keine Selbstausbeutung.

Krieg beutet immer Menschen aus. Nicht nur diejenigen, denen Land weggenommen wird oder die unschuldig sterben, sondern auch diejenigen, die ihn durchführen. Die sich in Befehlsketten begeben und sich ihrer selbst entheben. Für die nicht mehr die Leitfrage ist: Was möchte ich wirklich tun? Sondern, was soll ich tun? Die Folgen sind immer grausam. In den USA haben sich nach dem Vietnamkrieg mehr Soldaten wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung das Leben genommen als in diesem Krieg gefallen sind.

Ausbeutung ist auch die Wurzel allen Übels, die zu der Klimakatastrophe geführt hat. Weil wir ohne Rücksicht auf Ökosysteme, die unsere Lebensbedingungen schaffen, mehr nehmen als wir eigentlich zum Leben bräuchten, haben wir uns selbst in diese Situation manövriert. Derzeit berechnen die Klimatologen ein 4 Grad-Szenario für das Jahr 2070. Das bedeutet Landwirtschaft wird in ganz Deutschland so nicht mehr möglich sein. Nicht mehr aufzuhalten ist bereits eine Versteppung des Frankenlandes. Wir haben bereits die Grenzen vom humiden zum trockenen Wald überschritten und befinden uns in der Phase der Versteppung.

Wir stehen hier in einem Land, das in seiner Geschichte die halbe Welt kriegerisch attackiert hat. Deutsch zu sein ist kein Stolz, den wir erben. Es ist eine Geschichte, in die wir hineingeboren werden und die es immer noch zu heilen gilt. Immer noch sind wir maßgebliche kriegerische Akteure im Weltgeschehen. Nicht nur durch die Beteiligung an krieigerischen Auseinandersetzungen, sondern durch die Herstellung von Waffen, durch die Ausbeutung von Natur und Menschen und durch einen Ressourcenverbrauch, der weit über das hinaus geht, was wir wirklich für ein schönes Leben benötigen würden.

Die meisten Kriege, die geführt werden, werden um Ressourcen geführt. Männer und Frauen treffen ihre kriegstreibenden Entscheidungen, weil wir in unserer Kultur Gier nicht mehr als solche erkennen. Die Idee ohne Rücksicht auf Verluste, einfach nur besser sein zu wollen als andere, ist ein anerkanntes Ziel, das in vielen Ritualen gewürdigt wird. Das geht soweit, dass es rechtlich unzulässig ist, wenn ein Börsenunternehmen geringere Gewinne macht, weil es Ziele der Nachhaltigkeit mit berücksichtigt. Die entsprechenden Manager machen sich gegenüber ihren Aktionären de facto strafbar.

Eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und die Erkenntnis, dass wir alle miteinander verbunden sind, sind die Antwort auf Rüstungsambitionen und klimaschädigendes Verhalten.

Es geht um unsere Kinder. Um ihre Lebensgrundlage. Ihr, die ihr mit uns hier versammelt seid, Ihr steht hier aus Fürsorge. Ihr sorgt Euch um die Menschen und um ihre Nachkommen. Ich danke Euch dafür. Nur wenige, die hier heute stehen, haben am eigenen Leib erfahren, was Krieg oder was die Klimakatstrophe wirklich bedeutet. Zum Glück. Das ist die Hoffnung der Menschheit, dass wir uns einfühlen können. Das wir als Menschen umsichtig handeln können und den Mut haben, für eine gerechte Gemeinschaft einzustehen.

Und das geht! Wir dürfen nicht vergessen: Unsere Welt ist in ihrer jüngsten Geschichte bereits gerechter geworden. Es gibt sehr viel weniger Hunger auf der Welt als noch vor 50 Jahren. Seit 1992 hat sich der Anteil von ca. 18 auf ca. 10 % verringert – obwohl es wesentlich mehr Menschen gibt. Noch nie gab es so lange so viel Frieden in fast ganz Europa. Seit über 70 Jahren! Unsere Urgroßväter haben sich noch regelmäßig mit den Franzosen und Engländern die Köpfe eingeschlagen. In was für einem Glück leben wir!

Lassen wir uns nicht einlullen von den Angstgetriebenen, die weiterhin für kriegerische Aktivitäten argumentieren. Ja, es gibt noch unfassbar viel zu tun und wir rauschen gerade in unglaubliche Ungerechtigkeiten, was die Verteilung von Ressourcen und Macht betrifft. Das Rüstungsarsenal ist beängstigend. Aber ich glaube fest daran, dass die Menschheit letztendlich in der Lage ist, wirklich für sich zu sorgen. Zu lernen, sich wirklich zu spüren. Ich glaube daran, dass die Menschheit vernunftbegabt ist, zu großem Mitgefühl fähig ist und – wenn auch kurz vor knapp – handlungsfähig ist, drohende Katastrophen abzumildern.

Dafür setzen wir uns ein.

Vielen Dank.

 

Katrin Valentin ist aktiv Families for Future in Fürth.