Redebeitrag für den Ostermarsch in Unterlüß am 4. April 2026

 

- Sperrfrist: 4. April, Redebeginn: ca. 12 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

Mein Name ist Christoph Dembowski, ich war mein halbes Leben lang Kinderarzt in Rotenburg und ich bin seit über 20 Jahren Mitglied der internationalen ärztlichen Friedensorganisation IPPNW, das steht für International Physicians for Prevention of Nuclear War, also für die Verhinderung des Atomkrieges.

Einer unserer Gründerväter, der amerikanische Kardiologe und Erfinder des Defibrillators, Bernhard Lown, hat einmal gesagt:

„Peace cannot be kept by force, it can only be achieved by understanding“ (Frieden kann nicht mit Gewalt erhalten bleiben, sondern nur durch Verständnis erreicht werden).

Mit diesem Gedanken stehe ich, stehen wir heute hier am Ostersamstag vor den Toren von Rheinmetall, dieser Fabrik des Todes und protestieren. Wir stehen auf gegen den Tod, gegen die Scheinsicherheit mittels Hochrüstung und Kriegstüchtigkeit. Und wir haben uns heute ganz bewusst einen Tag vor dem Osterfest hier versammelt, wo alle Lebenskräfte wieder erwachen und wo wir mit unserem Ostermarsch ganz bewusst ein Zeichen setzen wollen gegen den Tod.

Ich hatte als Arzt immer das Ziel, dass mein Engagement für die Patienten nicht mit dem Ausfüllen von Rezepten beendet sein soll, denn ärztliches Handeln findet aus meiner Sicht nicht im politikfreien Raum statt.  Und so heißt das gegenwärtig für mich, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um uns aus dem Teufelskreis gegenseitiger Bedrohungswahrnehmungen befreien. Im Krieg Russlands gegen die Ukraine, in Palästina und im Iran.  Dass wir uns mit allen unseren Kräften für friedenspolitische Ansätze starkmachen, für Friedenssicherung über Dialog, über das Anstreben gemeinsamer Friedensperspektiven.

Als Ärztinnen und Ärzte in der IPPNW kritisieren wir, dass jetzt eine sogenannte Krisenresilienz für unsere gesamte Gesellschaft vorangetrieben wird, was sich beim näheren Hinsehen als Kriegsvorbereitung entpuppt. Das betrifft auch unser Gesundheitssystem, das ja schon in den letzten Jahrzehnten kaputt gespart wurde durch die Profitinteressen der Gesundheitskonzerne wie Helios oder Asklepios und jetzt für einen Kriegsfall vorbereitet werden soll. Dazu gibt es schon Fortbildungen und Planspiele, wie unser Gesundheitssystem als „Drehscheibe“ für die NATO funktionieren soll, damit dann über längere Zeit täglich 1.000e an Verletzten versorgt werden können. Diese Fehleinschätzung, dass ein Gesundheitssystem in der Lage sein könnte, kriegerische Auseinandersetzungen  -konventionell wie atomar-  zu bewältigen, das erhöht letztlich die Kriegsbereitschaft und die Wahrscheinlichkeit militärischer Auseinandersetzungen.

Wir von der IPPNW dagegen wollen klarmachen, dass schon ein konventioneller Krieg in Europa nicht gewonnen werden kann, weil dann alle unsere Lebensgrundlagen zerstört und vergiftet werden. Als Ärztinnen und Ärzte sehen wir die Wunden unserer Patienten, nicht die Frontverläufe eines Krieges. Wie unseren Patienten in der Sprechstunde sagen wir der Politik: „We must prevent what we cannot heal“ (wir müssen dem vorbeugen, was wir nicht heilen können).

Deshalb lasst uns gemeinsam zusammen stehen, damit wir uns, wie Rolf Mützenich zuletzt gemeint hat, „nicht an die gegenwärtige öffentliche Zurschaustellung des Militärischen“ gewöhnen. Da wird ein „Mindset“ von uns gefordert, was aber in Wirklichkeit einer Gehirnwäsche gleichkommt. Das machen wir nicht mit!

Lasst uns gemeinsam weiter aktiv bleiben: gegen die Hochrüstung, gegen die bedrohliche Stationierung amerikanischer Mittelstreckenwaffen in Deutschland und gegen den Irrsinn der atomaren Aufrüstung in Europa!

Vielen Dank! 

 

Dr. Christoph Dembowski ist aktiv bei der IPPNW.