Redebeitrag für den Ostermarsch in Bonn am 4. April 2026

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Freundinnen und Freunde, 

Letztes Jahr standen wir hier und haben versucht, den Stimmen von Frauen zu Krieg und Frieden Gehör zu verleihen. Als wir dieses Jahr gefragt wurden, ob wir wieder am Bertha-von-Suttner Platz etwas zum Thema beitragen könnten, haben wir gerne zugestimmt. Im Gespräch stand dann die Frage im Raum, können wir einfach nur fortsetzen, was wir im vergangenen Jahr begonnen haben? Berühmte Frauen sprechen lassen, deren Appelle historisch ignoriert wurden? Oder müssen wir nicht jetzt - angesichts eskalierender Kriege und der katastrophalen Situation von Menschen weltweit - auch unsere eigenen Stimmen lauter werden lassen?
Beides wollen wir tun! Hier und heute!

I. Berühmte Stimmen für den Frieden

  • „Der Krieg besteht nicht darum weiter, weil es Böses gibt, sondern weil man ihn immer noch für gut hält.“ (Bertha von Suttner, 1843-1917)
  • „Die Missachtung des Lebens und die Brutalität gegen den Menschen lassen die Fähigkeit des Menschen zur Unmenschlichkeit erkennen. Sie kann und darf kein Mittel irgendeiner Konfliktlösung sein und bleiben.“ (Rosa Luxemburg, 1871-1919)
  • „Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns dazu entschließen, einmal daraus zu erwachen.“ (Josephine Baker, amerikanische Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin, 1906-1975)
  • „Und den Krieg hasste ich aus ganzem Herzen, und es wollte mir nicht aus dem Kopf, dass Totschlagen sonst das größte Verbrechen war, im Krieg aber gut sein sollte.“ (Lea Grundig, deutsche jüdische Malerin und Grafikerin, 1906-1977)
  • „Herrschaft behaupten wollen, heißt kämpfen wollen. Nutzen stiften wollen, heißt freilich auch kämpfen wollen, aber – um den Frieden.“ (Marie von Ebner-Eschenbach, mährisch-österreichische Schriftstellerin, 1830-1916)
  • „Die UN-Resolution 1325 sollte sicherstellen, dass Frauen künftig aktiv an Entscheidungs- und Friedensprozessen sowie an der Verhandlung und Umsetzung von Friedensabkommen beteiligt werden. Damit sollte sie einen wirksamen Beitrag zur Prävention von Kriegen leisten. Die Resolution wurde im Jahr 2000 einstimmig vom Sicherheitsrat der UN verabschiedet. 2013 wurde sie von Deutschland ratifiziert. Die Umsetzung lässt in allen Ländern weiter auf sich warten. (UN Women, Homepage)
  • „Die politisch Verantwortlichen haben Angst. Aber sie haben nicht wie wir Angst davor, dass das Leben auf dieser Erde und die Zukunft zerstört werden. Sie haben Angst vor unserer Angst, vor unserer Wut. Darum versuchen sie, uns zu beruhigen. Nur keine Panik! Aber wir lassen uns nicht mehr beruhigen. Unsere Wut, unsere Angst haben uns die Augen geöffnet. Sie geben uns die wichtigste Energie, die wir jetzt brauchen…“ (Maria Mies/Vandana Shiva, Ökofeminismus. Die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker. Neu-Ulm 2016)

II. Wir könnten noch viele berühmte Stimmen finden und zitieren, aber jetzt fragen wir uns selbst:

Wie lange noch?

Solange Männer die Welt beherrschen – Autokraten, Milliardäre, Kriegstreiber –

Solange Frauen ihnen den Rücken freihalten – Gattinnen, Care-Arbeiterinnen, Karrieristinnen –

Solange wird es keinen Frieden geben!

Macht und Geld sind die Triebfedern des patriarchalen Kapitalismus.

Solange wir dem nichts entgegensetzen,

Solange wird es keinen Frieden geben!

Solange wir weiterhin – unbelehrbar – konsumieren, konkurrieren, applaudieren,

Solange wir weiterhin – willig oder widerwillig – das System stabilisieren

Statt es zu boykottieren und auszuhebeln,

statt füreinander zu sorgen und die Schöpfung zu bewahren,

Solange wird es keinen Frieden geben!

Wie lange noch?

Wieviel Zeit bleibt uns noch?

ES REICHT!

Vielen Dank!