In unserer Zeitschrift "FriedensForum" berichten wir über akutelle Aktionen und Kampagen aus der Friedensbewegung. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für den Ostermarsch in Münster am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Friedensfreundinnen, liebe Friedensfreunde,
danke, dass Ihr hier seid! Und danke an die Friedenskooperative und das Bündnis für die immer wieder herausfordernde Organisation des Ostermarsches!
Heute ist es wichtiger denn je, dass wir als Friedensbewegung gemeinsam auf die Straße gehen. Die Zahl der weltweiten Kriege befindet sich auf einem Höchststand. Das Völkerrecht, die große Errungenschaft der UN Charta, von 193 Staaten unterzeichnet und ratifiziert nach den schrecklichen Erfahrungen in zwei aufeinanderfolgenden Weltkriegen, wird von immer mehr Ländern mit Füßen getreten. Seit über 4 Jahren herrscht Krieg in der Ukraine. Der aktuell eskalierende Krieg im Iran und in den umliegenden Ländern begann vorbei am amerikanischen Kongress und während laufender Verhandlungen am 28. Februar. Offizielle Begründung war zuerst, das Land an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern, obwohl nach allen Analysen der Iran weit davon entfernt war Atomwaffen zu besitzen. Vor einigen Tagen äußerte der US amerikanische Präsident, er wolle sich das iranische Öl nehmen. - Offensichtlicher tritt Raubtierkapitalismus kaum zutage. Jeder nimmt sich, was er gerade braucht.
Die weltweiten Auswirkungen des Krieges sind heute schon verheerend und die Folgen noch gar nicht abzusehen. Angriffe auf Gasfelder, Atomanlagen und Meerwasserentsalzungsanlagen führen dazu, dass giftige Schadstoffe in Luft, Boden und Wasser gelangen und unsere Lebensgrundlagen, auch die der kommenden Generationen gefährden. Die Gefahr eines Atomunfalls steigt. Im Libanon, einem kleinen Land mit 4 Millionen Einwohnern, wo schon vor dem Krieg 1 Million Geflüchtete lebten, sind zusätzlich eine weitere Million Menschen auf der Flucht vor den Bomben. Der Angriff auf das Humanitäre Völkerrecht in Gaza und die unsagbar schreckliche Lage der Bevölkerung dort, über die immer weniger berichtet wird, wurde heute schon im Beitrag von Palästina Antikolonial thematisiert. In den Ländern des Globalen Südens nehmen Hunger und Armut massiv zu, da durch die Schließung der Straße von Hormus die Preise nicht nur für Öl, sondern auch für Dünger und Nahrungsmittel weiter in die Höhe schnellen. Während sich die reichen Industriestaaten Sorgen um die Benzinpreise und um ihren Lebensstandard machen, geht es in vielen Ländern des Globalen Südens um die nackte Existenz, da Nahrungsmittel unerschwinglich werden. Das Welternährungsprogramm der UNO hat kürzlich Alarm geschlagen und berichtet, dass in 2025 das Jahresbudget noch einmal um rund 40% gekürzt wurde – nachdem es schon in den Jahren 2023 und 2024 nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine große Kürzungen gab. - Es kann nicht sein, dass immer wieder die Ärmsten, diejenigen, die am wenigsten am Krieg beteiligt sind, am meisten unter ihm zu leiden haben!
Schluss muss endlich sein mit dem Wahnsinn, dass Krieg alle Ressourcen verschlingt, die für ein gutes Leben für alle reichlich vorhanden sind!
Wir appellieren eindringlich an die Bundesregierung, den Krieg endlich als völkerrechtswidrig zu benennen, die USA und Israel aufzufordern, jegliche Kampfhandlungen sofort zu beenden und sich mit allen Mitteln für eine sofortige humanitäre Versorgung der Menschen in der ganzen Region einzusetzen! Und wir fordern die Bundesregierung auf, dem Beispiel Spaniens zu folgen und gegenüber der USA und Israel jegliche direkte und indirekte Unterstützung des Krieges zu verweigern! Der US Standort in Ramstein in Rheinland-Pfalz muss umgehend geschlossen werden anstatt weiter als militär- logistische Drehscheibe für eindeutig völkerrechtswidrige Kriege genutzt zu werden!
Liebe Freundinnen und Freunde,
der Name pax christi ist bereits Programm. Als Christinnen und Christen sind wir nicht loyal gegenüber Regierungen. Wir sind loyal gegenüber Jesus Christus und seiner Botschaft vom Reich des Friedens, der Versöhnung und der Gerechtigkeit für alle Menschen. Wir stehen an der Seite der Leidenden, an der Seite derjenigen, die unter Gewalt, Ausgrenzung und unter Ungerechtigkeit leiden, denn jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes und das Wertvollste, was wir auf der Welt besitzen. Klare Worte wie sein Vorgänger Franziskus findet hier immer wieder Papst Leo, der kürzlich u.a. äußerte, Gewalt steht nicht im Einklang mit dem christlichen Glauben. Krieg ist immer ein Versagen der Menschlichkeit. Wir stehen an der Seite der Menschen, die sich für Gerechtigkeit für Alle einsetzen, die sich bemühen Frieden mit gewaltfreien Mitteln zu erreichen. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Glaubensgemeinschaft jemand angehört, oder ob sie oder er Agnostikerin oder Atheist ist. Und wir sind zudem eine starke Stimme für den Abbau von Feindbildern, denn ohne den Aufbau von Feindbildern wird kein Krieg geführt. Wir nehmen die Aufforderung von Jesus ernst, zuerst den Balken im eigenen Auge zu beachten statt den Splitter im Auge des Bruders. Frieden beginnt mit dem Versuch zu verstehen, damit, die Welt mit den Augen des oder der anderen zu sehen. In unserer Zeit der geforderten Kriegstüchtigkeit, der massiven Aufrüstung auf allen Ebenen, brauchen wir mehr denn je eine Kultur des Miteinander der ganzen Menschheitsfamilie, eine Kultur des Aufstehens für das Leben, das den Tod überwindet – jeden Tag und besonders jetzt an Ostern! Wir treten ein für militärische Abrüstung, für Frieden und für Sicherheit, die es nur gemeinsam mit allen geben kann. Dafür sind wir hier – dafür gehen wir gemeinsam auf die Straße!
Vielen Dank!
Maria Buchwitz ist Vorsitzende von Pax Christi im Bistum Münster.