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Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 8. August 2025 in Bielefeld
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Freundinnen und Freunde,
die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki markieren einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. Die Namen der Städte Hiroshima und Nagasaki stehen für die atomare Apokalypse, möglich durch das unermessliche Zerstörungspotenzial nuklearer Waffen. Diese katastrophalen humanitären Auswirkungen zeigen eine neue Dimension eines Verbrechens an der Menschheit auf.
Wenig später beginnt das atomare Wettrüsten mit den insgesamt über 2000 Atomwaffentests der Atomwaffenstaaten- eine Fortführung dieses Verbrechens an der Menschheit. Die IPPNW und mit ihr die Bielefelder Friedensinitiative betonen diesen Zusammenhang zwischen Hiroshima/Nagasaki und den Folgen der Atomwaffentests.
Tatsache ist: Atomwaffen sind völkerrechtswidrig.Der Einsatz von Atomwaffen und die Drohung mit einem Atomwaffeneinsatz verstoßen gegen das humanitäre Völkerrecht. Das ist das Vermächtnis von Hiroshima und Nagasaki, dem wir uns verpflichtet fühlen. Das ist der Zusammenhang zwischen damals und heute. Denn heute droht in Europa ein atomarer Schlagabtausch.
Durch den nun schon über drei Jahre dauernden Angriffskrieg und Abnutzungskrieg auf die Ukraine, durch die russischen Drohungen, dabei u.U. Atomwaffen einzusetzen, und durch die völlig unzureichenden Bemühungen für Waffenstillstand und Frieden auf allen beteiligten Seiten, auf Seiten Russlands und auf Seiten des westlichen Bündnisses.
Wir sehen als ersten konkreten Schritt zur Entschärfung der Spannungen auf internationaler Ebene, also zwischen Russland und dem Westen die Wiederaufnahme von Verhandlungen über Rüstungskontrolle.
Der letzte noch gültige bilaterale Vertrag zwischen den USA und Russland – über strategische Nuklearstreitkräfte – „New START“ läuft schon in sechs Monaten aus. Alle anderen Rüstungskontrollabkommen, an den Europa, Russland und die USA beteiligt waren, sind in den letzten zehn Jahren aufgekündigt worden. (Vertrag Konventionelle Streitkräfte in Europa, Mittelstrecken-Nuklearstreitkräfte-Vertrag, Vertrag über den offenen Himmel, und weitere).
Die aktuellen politischen Forderungen der IPPNW und der Friedensinitiative Bielefeld:
Die deutsche Bundesregierung soll
- Sich in der EU und in der NATO für die Wiederaufnahme von Rüstungskontrolle einsetzen
- dem Atomwaffenverbotsvertrag beitreten.
- das Ende der nuklearen Teilhabe beginnen in einem Prozess gemeinsam mit den Niederlanden, Belgien und Italien (ebenfalls Länder der nuklearen Teilhabe). Die Bundesregierung investiert fast zwei Milliarden Euro in die Modernisierung des Luftwaffen-stützpunkts Büchel in Rheinland-Pfalz, wo die US-Atomwaffen lagern.
- Sich von der Doktrin der nuklearen Abschreckung abkehren. Nukleare Abschreckung ist von Natur aus aggressiv, denn sie erfordert die ständige Bereitschaft, jederzeit einen Atomkrieg führen zu können. Eine solche Bereitschaft widerspricht der Verpflichtung durch das Grundgesetz, den Frieden zu bewahren. (§ 26 GG)
- Als Zwischenschritt: Die Bundesregierung soll sich bei den fünf Atomwaffenstaaten dafür einsetzen, dass alle gemeinsam, wie schon China, einen Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen erklären.
- Absage an jegliche Planungen für europäische Atomwaffen
Die direkten und unmittelbaren Folgen der Atomexplosion sind bedingt durch eine Druckwelle, eine Hitzewelle und einen Feuersturm. Beginnend mit einem Lichtblitz entstehen durch die riesige Hitze (3000 – 4000 Grad Celsius) Feuerstürme, die der Luft den Sauerstoff entziehen. Es kommt zu einem Massenanfall von schwersten Brandverletzungen dritten Grades, die nicht mehr behandelbar sind. Durch die Druckwelle werden schwerste innere Blutungen und Organverletzungen verursacht.
Die radioaktive Strahlung des Fallouts verursacht die akute Strahlenkrankheit bei hohen Dosen oder Langzeitfolgen wie Krebs, Unfruchtbarkeit und schwere Missbildungen bei Neugeborenen.
Dr. Angelika Claussen ist Co-Vorsitzende der deutschen IPPNW und aktiv in der Bielefelder Friedensinitiative