Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2025 in Rüsselsheim

 

- Sperrfrist: 6.8., Redebeginn: 19:00 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Gäste, 

Der Friedensschutzkreis Rüsselsheim, für den ich heute reden darf, tritt mit Nachdruck dafür ein, dass Rüsselsheim in naher Zukunft zur Friedensschutzstadt wird.

Warum soll das wichtig sein? Wir leben hier in Deutschland seit fast 4 Generationen in Frieden. Aber ist es ein geschützter Frieden?

80 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki ist die Bedrohungslage in der Welt größer denn je und wir müssen uns fragen, was ist schiefgelaufen, wo sind Fehler gemacht worden? Gab es einen Zeitpunkt für einen anderen Weg als atomare Aufrüstung?

Der Abwurf der beiden Bomben 1945 auf Japan hat die verheerende Wirkung dieser neuen Bombengattung eindeutig und ohne jeden Zweifel belegt. Hätte damals nicht ein konkreter Stopp, eine weltweite Verständigung über die Ächtung der Atombomben stattfinden müssen?

Das Gegenteil war der Fall. Der fatale Irrtum, dass durch atomare Abschreckung dauerhaft Frieden zu gewinnen sei, führte in eine gigantische Spirale, die bis heute erschreckende Ausmaße angenommen hat.

5 Jahre nach Kriegsende testete die UDSSR ihre erste Atombombe, zwei Jahre später Großbritannien, 1960 Frankreich, 1964 China, dann Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea. 

Ich erinnere mich an meine Jugendzeit, als ich mit meinem bescheidenen Taschengeld 1 oder 2 Mal im Monat die Möglichkeit hatte, ins Kino zu gehen – wir hatten damals noch 5 Kinos in Rüsselsheim – und was mir am meisten im Gedächtnis haften geblieben ist, waren die Vorfilme, die immer wieder von den angeblich großartigen Erfolgsversuchen immer größerer nuklearer Bomben berichteten. Ich konnte schon damals nicht verstehen, warum es ein Ziel sein sollte, ganze Länder vernichten zu können. Welche Geisteshaltung steckte dahinter, die Vernichtung ganzer Völker ins Kalkül zu ziehen?

Diese Geisteshaltung, die heute sogar zu der Überlegung führt, ob Deutschland atomar aufrüsten soll, ist es, die mich manchmal sprachlos macht aber nicht ohnmächtig.

Seit über 45 Jahren gibt es in Rüsselsheim immer wieder Gruppen, damals besonders inspiriert durch Willi Götterts Engagement, die sich für die Abschaffung aller Atomwaffen einsetzen. Dieses tiefe Verlangen wird weltweit von vielen Ländern unterstützt. Deutschland hält sich noch raus.

Und da komme ich wieder zu Willi Götterts Antrag von 1991, unsere Stadt in eine Friedensschutzstadt zu verwandeln. Dem Gedanken, Frieden zu schützen wohnt die Überlegung inne, dass es eine Geisteshaltung sein muss, die Achtung für das Leben aller Menschen beinhaltet und die Arbeit am Frieden besonders in den Vordergrund aller Handlungsstränge stellt.

In diesem Sinne freue ich mich über jeden Schritt, die unsere Stadtgesellschaft unternimmt, diesem Ziel näher zu kommen.

Dass wir durch unseren Oberbürgermeister dem weltweiten Kreis der Mayors for Peace, den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern für den Frieden angehören, dass die Stadtverordneten sich dem ICAN Deutschland, der Kampagne für ein Atomwaffenverbot angeschlossen haben, sind ermutigende Voraussetzungen in unserer Stadt gemeinsam Friedensbewusstsein zu fördern.

Das Friedensbüro, die Friedensbeauftragte und der Friedensschutzkreis sind dankbar für Unterstützung und Anregung, damit in allen gesellschaftlichen Bereichen der entschiedene Einsatz für geschützten Frieden an Bedeutung gewinnt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

 

Christel Göttert ist aktiv im Friedensschutzbüro.