Der Schwerpunkt der neuen Ausgabe des "FriedensForums" (Heft 4/2026) befasst sich mit alternativen Sicherheitskonzepten. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2025 in Neumünster
- Sperrfrist: 6.8. -
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe Gäste,
80 Jahre Hiroshima und Nagasaki
- über 200 000 Tote sofort und in 1945
- 100 000-de Tote in der Folgezeit
- 100 000-de Kranke und Verkrüppelte
Die schrecklichen Zahlen sind nüchtern und abstrakt. Ich kann es Euch nicht ersparen, die Wirkungen einer Atombombe konkreter darzustellen:
Plasmaball, Durchmesser 2 km, heißer als die Sonne, alles verbrennt, verglüht, verschwindet
in den nächsten Sekunden verbrennt im Umkreis von 7 km alles, was brennen kann, u.a. Menschen
2 Sekunden später ungeheure Druckwelle und Stürme, stärker als Hurricanes: Alle Gebäude sowie Bäume und natürlich auch Menschen werden niedergerissen, getötet, verletzt
Atompilz steigt auf, eine ungeheure Wolke aus radioaktiv verseuchtem Staub. Verbreitet sich und fällt später als schwarzer Regen zu Boden und führt zu radioaktiver Verseuchung von Mensch, Natur und Umwelt.
Sämtliche Infrastruktur ist zusammengebrochen. Rettungsdienste, Polizei, Feuerwehr stehen tagelang, wahrscheinlich wochenlang nicht zur Verfügung.
Wegen dieser verheerenden Folgen: IGH-Gutachten von 1996, von UNGeneralversammlung in Auftrag gegeben, in völkerrechtlich verbindlicher Weise festgestellt: Einsatz und Androhung von Atomwaffen grundsätzlich völkerrechtswidrig
Vor diesem Hintergrund ist Vorsicht geboten vor Begriffen wie NUKLEARE ABSCHRECKUNG und NULEARER SCHUTZSCHIRM. Schutzschirm, das klingt so behütend, fast kuschelig. Wir müssen uns aber klar machen, dass sich dahinter die Androhung von Atomwaffen verbirgt und die ernsthafte Bereitschaft Atomwaffen anzuwenden. Beides ist völkerrechtswidrig und bringt uns keine zusätzliche Sicherheit, sondern verringert unsere Sicherheit.
Wir sind uns alle einig, dass das Inferno eines Atomkrieges nie geschehen darf. Sicher ausgeschlossen ist diese Gefahr aber erst, wenn alle Atomwaffen auf der Welt beseitigt sind.
Der Weg dorthin ist steinig; doch seit Jahrzehnten gibt es hierfür wichtige und ernste Initiativen: u.a.:
- 1970 NVV (Atowaffensperrvertrag)
- 5 Atommächte verbreiten nicht weiter und verhandeln mit dem ersthaften Bestreben, Atomwaffen abzuschaffen
- alle übrigen Staaten, also auch Deutschland, verzichten auf Besitz, Herstellung, Lagerung von Atomwaffen.
Wenn von Politikern und in der Presse in letzter Zeit Überlegungen angestellt werden, dass Deutschland sich am französischen Atomwaffenprogramm beteiligen oder sogar eigene Atomwaffen anschaffen soll, so ist das eindeutig völkerrechtswidrig. Wir müssen diesen Bestrebungen mit aller Entschiedenheit entgegentreten.
Weil die Verhandlungen der Atommächte über die Abschaffung der Atomwaffen bisher nicht zum Ziel geführt hatten, haben 2017 126 Staaten bei der UNO den Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) beschlossen. Durch den AVV werden Atomwaffen geächtet, und er verbietet den Einsatz, die Androhung und den Besitz von Atomwaffen. Dieser Vertrag, der 2022 wirksam geworden ist, ist inzwischen von 94 Staaten offiziell unterzeichnet und von 73 Staaten förmlich ratifiziert worden. Leider hat Deutschland noch nicht unterzeichnet.
Wir sind stolz darauf, dass Neumünster 2019 durch Ratsbeschluss die ICANStädteerklärung beschlossen hat, mit der die Stadt die Bundesregierung auffordert, dem AVV beizutreten, und etwa gleichzeitig auch dem Beitritt zur weltweiten Initiative MAYORS FOR PEACE.
ICAN, das internationale Netzwerk für die Abschaffung von Atomwaffen, hat den AVV wesentlich mit vorbereitet und ist dafür 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
In gleicher Weise erinnere ich daran, dass erst im vorigen Jahr, also 2024, die japanische Organisation NIHON HIDANKYO den Friedensnobelpreis erhalten hat. Diese Gruppe, bestehend aus Überlebenden der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki (Hibakusha) wurde vom Nobelkommitee geehrt
„für ihren unermüdlichen Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen und dafür, durch Zeugenaussagen zu zeigen, dass Atomwaffen niemals erneut eingesetzt werden dürfen“.
Heute, am 6. August, schließen wir uns diesem Appell und diesen Mahnungen ausdrücklich an.
Joachim Schröder ist aktiv beim Friedensforum Neumünster