Buchhinweis

Diktatoren als Türsteher Europas

von Martin Singe
Schwerpunkt
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Das im Christoph Links Verlag 2017 erschienene Buch mit obigem Titel und dem Untertitel „Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert“ ist inzwischen in zweiter Auflage  preisgünstig bei der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich. Die AutorInnen informieren anschaulich und konkret über die nach Afrika vorverlagerte Migrationskontrolle der EU und deren menschenrechtlich desaströsen Folgen. Die EU finanziert diktatorische Regime, damit diese jegliche Migration in Richtung Europa verhindern und an der Vergrenzung Afrikas arbeiten.

Dabei bietet die EU den Regimen Militär- und Wirtschaftshilfe in Milliardenhöhe an. Sie arbeitet mit Regierungen zusammen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, und bildet deren Polizeien und Armeen aus. Die Bewegungsfreiheit in Afrika wird zunehmend eingeschränkt, Wirtschaftshilfe erhält, wer MigrantIinnen aufhält und Grenzkontrollen errichtet. Dabei profitieren IT-Unternehmen sowie Rüstungs- und Sicherheitskonzerne in Europa.

Seit Jahren recherchieren die taz-ReporterInnen Simone Schlindwein und Christian Jakob zu diesem Thema. Ihr 320 Seiten umfassendes Buch ist die erste umfassende Darstellung der neuen deutschen und europäischen Afrikapolitik.

„Von geschützten Grenzen und der Öffnung der Märkte träumt die EU. Von geschützten Märkten und offenen Grenzen träumt Afrika. Solange dieses Interessensdilemma nicht gelöst ist, wird es keine echte Partnerschaft geben“ so das Schlussfazit der AutorInnen.

Jakob, Christian und Schlindwein, Simone (2017): Diktatoren als Türsteher Europas. Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert. Christoph Links Verlag, 320 S., ISBN 978-3861539599, 18 Euro

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Martin Singe ist Redakteur des FriedensForums und arbeitet für das Komitee für Grundrechte und Demokratie.