Der Irankrieg

Zum 12-Tage-Krieg Israel-USA-Iran

von Clemens Ronnefeldt
Im Blickpunkt
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( c ) Netzwerk Friedenskooperative

Der israelisch-iranische 12-Tage-Krieg begann am 13. Juni 2025 mit israelischen Angriffen auf den Iran unter dem Codenamen „Operation Rising Lion“, der auf einen Vers aus der Tora aus dem Buch Numeri, Kapitel 23, Vers 24 verweist: „Siehe, ein Volk wie eine Löwin, die aufsteht, wie ein Löwe, der sich erhebt. Er legt sich nicht hin, bevor er die Beute gefressen und das Blut der Erschlagenen getrunken hat.“ Benjamin Netanjahu hat vor Beginn der Angriffe eine handschriftliche Abschrift dieses Toraverses in die Klagemauer in Jerusalem gesteckt (1).

In der Nacht auf den 22. Juni 2025 griff die US-Regierung direkt in den Krieg unter dem Codenamen „Operation Midnight Hammer“ - Mitternachtshammer – ein; der Codename ist selbsterklärend.

Die Operation Rising Lion wurde laut New York Times seit Dezember 2024 geplant – davor gab es bereits viele Jahre Angriffsplanungen, die mehrfach verworfen wurden. Agenten des Mossad hatten nach israelischen Angaben in der Nähe der iranischen Hauptstadt Teheran eine Drohnenbasis errichtet, um auf Israel gerichtete iranische Boden-Boden-Raketen noch im Iran selbst abzufangen. Dafür waren über Monate hinweg Bauteile für Hunderte Drohnen und Munition in Koffern, Lastwagen und Schiffscontainern nach Iran geschmuggelt worden. Auch Flugzeuge mit Waffensystemen waren von Israel nach Iran geschmuggelt worden, um die iranische Flugabwehr auszuschalten und frühzeitig die Lufthoheit für israelische und später US-amerikanische Bomber zu gewährleisten.

Ab April 2025 verhandelte der US-Sonderbeauftragte Steve Witkoff mit dem Außenminister von Iran, Abbas Araghtschi. Präsident Trump hatte zuvor gefordert, Iran müsse auf seine Urananreicherung komplett verzichten, um im Gegenzug die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen zu erreichen.

Noch einen Tag vor den israelischen Angriffen, am 12. Juni, kündigte das Weiße Haus an, dass sich Steve Witkoff am 15. Juni mit dem iranischen Außenminister in Oman zu Verhandlungen treffen werde. Dies war eine gezielte Täuschungsaktion, wie die Times of Israel berichtete, die zwischen den Regierungen der USA und Israels abgesprochen war. Nach Informationen der New York Times rechnete zwar die iranische Führung mit möglichen militärischen Aktionen Israels und der USA, sollten die geplanten Verhandlungen nicht zur Zufriedenheit Trumps verlaufen, nicht aber zum dann erfolgten Zeitpunkt bereits vor den Gesprächen.

Nach Angaben des israelischen Militärs und iranischer Medien wurden am 13. Juni unter anderem mehrere hochrangige Vertreter der iranischen Streitkräfte und Wissenschaftler getötet. Dazu zählen u.a. der Generalstabschef, der Kommandeur der Revolutionsgarden sowie Nuklearphysiker. Der Kommandeur der Quds Brigaden, Esmail Qaʾani, war von der New York Times nach einem Angriff auf ihn zunächst für tot erklärt worden, zeigte sich aber am 24. Juni 2025 bei einer Kundgebung in Teheran lebend und unverletzt.

Nach Angaben der  New York Times und von CNN kam ein US-Geheimbericht der Defense Intelligence Agency (DIA) zu der Einschätzung, dass die unterirdischen Atomanlagen in Fordo nicht zerstört worden seien und Iran in seinem Atomprogramm nur um einige Monate zurückgeworfen wurde.

Sowohl die Angriffe der israelischen wie auch der US-Regierung sind als völkerrechtswidrig einzustufen. Eine unmittelbare Gefahr ging von Iran nicht aus. Weil die Gegenangriffe des Iran trotz des Rechts zur Selbstverteidigung auch zivile Ziele in Israel trafen, sind auch diese als Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht zu werten.

Russland profitierte durch den Krieg kurzfristig vom Anstieg des weltweiten Ölpreises, hielt sich allerdings trotz militärischer Beistandsverpflichtung gegenüber seinem Drohnenlieferanten Iran aus den Kampfhandlungen heraus. Hätte es einen Volksaufstand im Iran samt Sturz der Führung gegeben, hätte vermutlich China nicht tatenlos zugesehen, wie bestehende Lieferverträge über Öl und Gas aus Iran zum Nachteil der chinesischen Wirtschaft in Gefahr geraten wären.

In Deutschland verurteilte eine Erklärung von IPPNW am 23. Juni 2025 die Militärschläge der USA und Israels gegen den Iran aufs Schärfste und forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Auch die Bundesregierung müsse die Militärschläge verurteilen und sich weiter für eine diplomatische Lösung einsetzen, so IPPNW.

Die Friedensbewegung in Deutschland kann sich schon jetzt darauf einstellen, dass dieser 12-Tage-Krieg vermutlich nicht die letzte militärische Auseinandersetzung zwischen Israel/USA und Iran gewesen sein dürfte. Daher gilt es, in nächster Zeit beharrlich durch nationale und internationale Öffentlichkeitsarbeit den Druck zu erhöhen, keine weiteren Eskalationen zu starten.

Die Bewältigung der langjährigen Herausforderungen für Frieden und Sicherheit im gesamten Raum Westasien erfordert auch eine umfassende und gerechte Lösung der Palästina-Frage, die Einbeziehung der Atomwaffen Israels in den Nichtverbreitungsvertrag und deren Überwachungen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Westasien ist überfällig.

Anmerkung
1 https://www.morgenpost.de/politik/article409252560/operation-rising-lion...

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Clemens Ronnefeldt ist seit 1992 Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes.