Lieber KRlEGsmüde als LEBENSmüde

Ihr kriegstreibenden Parteien in der Welt: Wie viele Leben seid ihr der Menschheit bereits schuldig? Wie unfassbar groß müsste die Anzeige einer Schuldenuhr sein, die eure Toten zahlt; jene die unmittelbar und mittelbar eurem Krieg und euren Kriegen zum Opfer gefallen sind! Mit jedem Augenblick zählt sie ein weiteres genommenes Leben, ohne Mitleid. Sie tickt und tackt. Hinte jedem Tick verbirgt sich der letzte Schrei eines Kindes, hinter jedem Tack der letzte Atem einer Frau, der letzte Blick eines alten Mannes. Gleichauf in ihrem Tick-Tack marschieren, links, rechts die Soldaten. lm Rhythmus ihres Tick-Tack feuert das Maschinengewehr Salve um Salve.

Derweil wächst zu unserer Verteidigung eine andere Schuldenuhr um 100.000.000.000 Euro an. Wir laden unseren Nachkommen die Schulden an den Toten von heute auf. Sollte irgendwann einmal Frieden herrschen in der Welt; sie werden weiter an der
Kriegsschuld zu tilgen haben. Aber ihr wollt es so! Mehr als die Hälfte unserer Mitmenschen hält die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht für sinnvoll. Unseren Verteidigungsminister halten einige in unserem Land für den besseren Kanzler. Als im November vergangenen Jahres plötzlich aus allen Ecken unseres Landes tausend Militärfahrzeuge die Börde überfielen - zur logistischen Übung natürlich, logo - konnte einem nur angst und bange werden. Aber ja, die Rüstungsindustrie profitiert, das Zuliefergewerbe floriert und des Staates Kassen füllen sich mit den Steuern der Kriegswirtschaft. Der Wohlstand blüht in einem Land, wo die Kanonen wachsen. Diesen so gewonnenen Wohlstand gilt es zu verteidigen, lasse es kosten, was es wolle.
Und täglich grüßt die Schuldenuhr. Ihr macht uns damit unfreiwillig zu Nutznießern. Aber es lässt sich eben besser leben auf dem kalten Rücken jener, die es nicht mehr dürfen.

Und während wir diskutieren, lang und breit, tickt unaufhörlich die Uhr.jedes Tick ist ein Ping in der Börse der Rüstungskonzerne, aber jedes Tack ein Maul weniger auf der Welt, das gestopft werden will. Dem Tick-Tack ist das egal. Und auf den immer gleichen Rhythmus folgt Gewöhnung. Wie die Gewohnheit kann der Krieg zur zweiten Natur werden. Was aber ist die erste Natur?

Karl Kraus hat geschrieben: „Kriegsmüde hat man immer zu sein, das heißt: nicht nachdem, sondern ehe man einen Krieg begonnen hat." Den Krieg solle diese Erschöpfung befallen. Es solle müde werden das Material, das einem Kind das Leben nimmt; es solle müde werden der Arm, der das Messer halt, um Frauen zu schänden; es solle müde werden der Mann, der, in die Kanone gestopft, seine letzten Worte spricht; müde solle werden der Hunger der Gierigen. -Ja, ihr sagt: Mehr ist mehr. Aber wir sagen: Weniger ist der Tod. ln euren Kriegen erschöpft ihr die Natur; aber wir werden in neuen Kriegen um das Übriggebliebene kämpfen müssen. Krieg zerstört, und indem er zerstört, stabilisiert und reproduziert er das herrschende System. Ein
System, das Kriege zum Überleben braucht. Nicht der Handel stabilisiert das Kapital, sondern die Zerstörung erschafft neues Wachstum, seine einzige Grundlage.

Aber hört ihr es nicht, das Ticken eurer Schuldenuhr? Wenn ihr es nicht hört, dann erinnern wir euch daran.

Und wir, die wir das Glück haben, in Frieden zu leben, sollten nicht in jeder Meinungsverschiedenheit gleich eine Kriegserklärung sehen. Wo ist er geblieben, der gute alte Streit, bei dem verabredet war, dass mit Worten nicht getötet werden darf?

Deshalb lasst uns vereint laut rufen: Nur der Frieden ist ohne Alternative! Wir werden nicht müde, Frieden zu fordern. Wir werden nicht müde, euch an eure Schulden zu erinnern. Wir werden nicht müde! NEIN! zum Krieg, NEIN! zu Waffen, NEIN! zu einem System, in dem der Tote mehr Wert hat als der Lebende!

Und den Soldaten rufen wir zu: Seid ihr lebensmüde? Lasst eure Waffen fallen; lasst sie fallen, damit ihr die Arme freihabt, die Lebenden zu umarmen; euren Gegenüber, den Menschen, die ihn gar nicht kennen, zum Feind erklärt haben. Lasst die Waffen auf dem Boden liegen, sie sollen ruhen, sie sollen zu Staub zerfallen, mit Erde bedeckt. Waffen, ruht in Frieden!

 

Kontakt: Vorbereitungsgruppe Ostermarsch c/o Klaus Czernitzki, Kontakttelefon, 0176/218 22 068, E-Mail: info [at] ostermarsch-sachsen-anhalt [dot] de, http://www.ostermarsch-sachsen-anhalt.de

 

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