Weiter 100 Sekunden bis Mitternacht

Doomsday Clock

von Regina Hagen

Am 20. Januar fand die Enthüllung der neuen Doomsday-Clock-Einstellung statt - die die alte ist. 
Die Uhr verbleibt bei 100 Sekunden vor Mitternacht, das ist aber, so wurde betont, keine gute Nachricht: Die aktuelle Situation bringe weder Stabilität noch Sicherheit, vielmehr stehe die Doomsday Clock jetzt im dritten Jahr so nahe an einer zivilisationsbedrohenden Apokalypse wie nie zuvor.
Im Verlauf von 2021 habe es zwar eine ganze Reihe positiver Entwicklungen gegeben (Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den USA und Russland und Verlängerung des New-START-Vertrages, Wiederaufnahme der Gespräche mit Iran, Rückkehr der USA in das Klimaabkommen), die aber durch sehr beunruhigende Trends konterkariert würden. Zu den vorherrschenden Bedrohungen gehörten neues Wettrüsten, auch mit Atomwaffen, (Hyperschall-) Raketen und Weltraumflugzeugen, weitere Anti-Satelliten-Tests und ein absehbares Wettrüsten im Weltraum, der Klimawandel (wo „der rhetorische Fortschritt noch nicht von zügigem Handeln begleitet wird" bzw. „viele Worte, relativ wenig Handeln" zu beobachten seien), zerstörerische Technologien, die COVID-19-Pandemie, die Wiederaufnahme von Biowaffenprogrammen sowie der unzureichende Schutz vor natürlichen, versehentlichen und absichtlichen Biogefahren, ebenso der Einsatz neuer Gentechnologien, sowie die aktuelle Ukraine-Krise. Verschlimmert werde die Situation von „einer beschädigten Informationslandschaft, die eine rationale Entscheidungsfindung unterminiert".
Zu den technologischen Gefahren gehören nach Ansicht des Bulletin Board nicht nur solche wie Atomwaffen, Raketen, Weltraumrüstung, Cyberwar, sondern [Informations-] Technologie habe auch kräftig zu einem Umfeld beigetragen, in dem kein erdenklicher Beweis und kein rationales Argument die 'wahren Gläubigen' dazu bewegen könne, ihre Meinung zu ändern, was das gemeinsame Verständnis von 'Wahrheit' erschüttere und zu tiefen Rissen in der Gesellschaft geführt habe. Die politischen Führungen sowie die Öffentlichkeit handelten zu langsam, um die Katastrophe zu verhindern. „Die Türschwelle zum Untergang ist kein guter Platz zum Trödeln."
Speziell an die US-Regierung gerichtet ist die Mahnung, dass der Inhalt des anstehenden "Nuclear Posture Review" (Überprüfung von Nukleardispositiven und -doktrinen) mitbestimmen werde, wo die Doomsday Clock in einem Jahr stehe. 
Das Bulletin Board drängt deshalb u.a. darauf,
- dass sich der russische und der US-Präsident ambitionierte Ziele in puncto nuklearer Abrüstung setzen,
- dass eine raschere Reduktion der CO2-Emissionen herbeigeführt wird,
- dass unter Einbindung der Weltgesundheitsorganisation der Schutz vor biologischen Risiken [gemeint sind wohl Biowaffen und Pandemien] erhöht wird,
- dass die Atomwaffenstaaten sich auf eine Politik verpflichten, die den Ersteinsatz von Atomwaffen ausschließt.
Was keine Erwähnung fand, ist der Atomwaffenverbotsvertrag (dessen Inkrafttreten ist auch nicht bei den positiven Entwicklungen von 2021 aufgeführt); auch die drohende Neustationierung von Mittelstreckenraketen bzw. -Marschflugkörpern in Europa und anderswo wird nicht erwähnt.
Appelliert wird an die Öffentlichkeit, ihre Politiker*innen zur Rechenschaft zu ziehen und zum energischeren Handeln zu drängen.
 

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Sprecherin der Kampagne "Büchel ist überall – atomwaffenfrei.jetzt“ und ehemals verantwortliche Redakteurin der Quartalszeitschrift "Wissenschaft & Frieden".