Zur strategischen (Neu-)Ausrichtung

Erfolge ermöglichen: Klarer Kopf und konkrete Forderungen

Ja, ich glaube, die Friedensbewegung muss sich neu aufstellen, weil die Welt sich verändert hat und weil jede langjährig bestehende Organisation sich immer wieder die Frage stellen muss, ob sie noch am Puls der Zeit ist. Ich glaube allerdings auch, dass vieles schon auf den Weg gebracht ist.

Die Zukunft im Blick
Viele der Gruppierungen, die sich der Friedensbewegung zugehörig fühlen, beschäftigen sich aktuell mit Zukunftsfragen. pax christi zum Beispiel hat 2013 eine Gruppe beauftragt, eine Perspektive zu entwickeln, wie pax christi 2020 aussehen soll. Diese Gruppe stellt sich die Frage nach Zielen und Haltungen, die aktuell den Charakter der katholischen Friedensbewegung ausmachen. Welche Themen gehören in den Mittelpunkt? Welche Aktionsformen sind erfolgversprechend? Welche Menschen wollen sich in pax christi engagieren und in welchen Bündnissen können gesetzte Ziele erreicht werden? Macht es mehr Sinn, auf die Breite aller Friedensfragen zu setzen oder sich auf ausgewählte Themen zu konzentrieren? Welches Profil hat auch in Zukunft Attraktivität und für wen? 

Kampagnenarbeit, um erfolgreich die Gesellschaft weiterzuentwickeln
Selbstverständlich fragen viele auch: Wie erreichen wir die Jugend? Meine Position dazu ist: wenn wir wichtige Themen anpacken, dazu interessante Beteiligungsformen sowohl für kurz- als auch für langfristiges Engagement entwickeln, dann wollen auch Menschen mitmachen. Ob die dann 19 oder 99 Jahre alt sind, halte ich für nachrangig. Und wie stelle ich mir die interessanten Partizipationsmöglichkeiten vor? Ich halte Kampagnen für äußerst erfolgversprechend. Der Kern dieser Arbeitsweise ist für mich, Erfolge bei der Weiterentwicklung der Gesellschaft zu ermöglichen.

Wichtige Elemente für Kampagnen sind aus meiner Erfahrung:

  • Eine gute Analyse (Sehen) und Bewertung (Urteilen), wo konkret die deutsche Politik „dem Frieden“ zuwiderläuft, und das Erfassen von Ansatzpunkten, bei denen die Chance besteht, relevante gesellschaftliche Unterstützung zu erreichen.
  • Visionäres Ziel (z.B.: Stoppt den Waffenhandel), konkrete politische Forderungen (bspw. Rüstungsexportkontrollgesetz) auf dem Weg zur Zielerreichung und eine überzeugende Strategie (z.B.: den Opfern Stimme, den Tätern Name und Gesicht) ergänzen sich.
  • Kreative Aktionen für das Zusammenspiel von Information, Aktion, politischem Dialog und politischem Druck bringen Aufmerksamkeit, machen Freude und stärken so die Motivation der Aktiven.
  • Klare Strukturen der Zusammenarbeit ermöglichen schnelle Entscheidungen und Planungen.
  • Mut zur Lücke, zu Anfang und Ende einer Kampagne und gegebenenfalls zu Pause und erneutem Start schützen davor, auszubrennen.

Gegen den Skandal des deutschen Rüstungsexports hat pax christi gemeinsam mit vielen anderen seit 2011 sehr gute Erfahrungen mit der Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ gemacht.

Die  "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!" ist ein Beispiel dafür, dass vieles auch schon heute gut gelingt.
Mit dieser Kampagne ist ein großes Bündnis gelungen. In der Laudatio zum Stuttgarter Friedenspreis schilderte Thomas Gebauer das so: “Seit über drei Jahrzehnten verfolge ich das friedenspolitische Engagement in Deutschland und zu keiner Zeit habe ich einen so großen Zusammenschluss erlebt, der sich gegen den Waffenhandel stark gemacht hat. Auf bemerkenswerte Weise vereint die ‚Aktion Aufschrei‘ zivilgesellschaftliche Akteure aus ganz verschiedenen Bereichen der Öffentlichkeit: Organisationen aus der Friedensbewegung, entwicklungspolitische Gruppen, globalisierungskritische Initiativen, kirchliche und weltliche Akteure, Umwelt- und Ärzteorganisationen, Kinderrechtsorganisationen, etc.. Akteure, die vieles verbindet, die aber in der Vergangenheit nicht immer mit einer Stimme gesprochen haben.” 

In den 900 Tagen vom Kampagnenstart bis zur Bundestagswahl 2013 fanden 452 Aktivitäten statt. Jeden zweiten Tag also gestalteten Aktive irgendwo in der Republik phantasievolle Aktionen: Informationsabende, Demonstrationen vor Rüstungsfirmen, Mahnwachen, Friedensgebete, Lesungen, Diskussionen mit PolitikerInnen und VertreterInnen der Rüstungsindustrie, Theaterstücke, Unterschriftensammlung, etc.

Prominente Aktionen in Berlin am bundesweiten Kampagnentag haben Bilder geschaffen, die in den Medien auch unabhängig von der Kampagne zur Illustration des Themas aufgegriffen werden. Das hat Wiedererkennungswert und stärkte die Identifikation mit dem Engagement. 2014 nahm Bundestagsvizepräsidentin Bulmahn 95.227 gesammelte Unterschriften für eine Klarstellung des grundsätzlichen Verbots des Rüstungsexportes im Friedensartikel 26 des Grundgesetzes entgegen. Am 23. März 2015 wurde diese Petition in einer Öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses im Deutschen Bundestag beraten.

Mein Fazit:
Wir erreichen unsere Ziele, z.B., dass die politisch Verantwortlichen uns zuhören und mit uns diskutieren, wenn wir konkret und ausdauernd sind.

Ausgabe

Rubrik

Schwerpunkt