Kirchentag in Hamburg

Gedenken an Deserteure, Aktion Aufschrei und Ultima Ratio

von Christine Schweitzer

"Auf dem Weg zu einer gesetzlichen Regelung, die ein grundsätzliches Verbot für den Export von Kriegswaffen und für alle sonstigen Rüstungsgüter beinhaltet, fordern wir daher vom Bundestag, der Bundesregierung, Ländern und Kommunen, die in Deutschland geltenden Gesetze zum Export von Kriegswaffen soweit zu verschärfen und in der Folge auch zu überwachen, dass in Zukunft ausgeschlossen ist, dass exportierte deutsche Kriegswaffen für Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden sowie in internationalen Kriegs- und Krisengebieten der Welt zum Einsatz kommen können."

Dies sind Sätze aus einer Resolution, die mit überwältigender Mehrheit auf einer gutbesuchten Podiumsveranstaltung des Evangelischen Kirchentages von den TeilnehmerInnen verabschiedet wurde und jetzt der Bundesregierung zugeleitet wird.

Rüstungsexporte und Kriege in aller Welt waren ein, aber halt auch nur ein Thema auf dem 34. Deutsche Evangelische Kirchentag, der vom 1. bis 5. Mai in Hamburg stattfand. Er sah über 130.000 TeilnehmerInnen am Schlussgottesdienst, über 2.500 Veranstaltungen im Programmheft und einer beinahe unüberschaubaren Zahl an Initiativen und Anliegen. Friedensorganisationen und Initiativen waren dabei eher nur einzeln vertreten (u.a. mit der AGDF, dem Forum Ziviler Friedensdienst, dem Antikriegshaus Sievershausen und dem Bund für Soziale Verteidigung); vielen der Gruppen, die früher regelmäßig zu den Kirchentagen kamen, waren vermutlich die Kosten und der Aufwand zu groß.

Friedensdienste und Bildungsmaterialien wurden vorgestellt, Unterschriften für die Aktion Aufschrei gesammelt und über Afghanistan und "ultima ratio" gestritten.

Eine wichtige Veranstaltung für uns war dabei das Forum "Krieg als Geschäft - Rüstung made in Germany", bei dem u.a. der international bekannte Rüstungsexperte und -kritiker Andrew Feinstein, der Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband Deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie Georg Wilhelm Adamowitsch, Jan Grebe vom BICC und der EKD-Vorsitzende Dr. Nikolaus Schneider sprachen.

Eines wurde dabei deutlich: Kritik an Rüstungsexporten sind ein Thema, für das die meisten KirchentagsbesucherInnen sehr offen sind, und Schneider betonte, dass auch die EKD die Aktion Aufschrei unterstütze.

Als Parallelveranstaltung außerhalb des offiziellen Kirchentages fand an einem in Hamburg bekannten Kriegerdenkmal, dem "Kriegsklotz", parallel eine Gegenveranstaltung statt, bei der es schwerpunktmäßig um Kriegsdienstverweigerung und Desertion ging. Die DFG-VK, Connection e.V. und einige andere Gruppen hatten dazu aufgerufen. Auf der Bühne wurde ein buntes Programm präsentiert, und da der "Kriegsklotz" in der Nähe der Messehallen steht, sind viele KirchentagsbesucherInnen zumindest an den Ständen vorbeigekommen und haben in die Thematik "reingeschnuppert".

Ausgabe

Rubrik

Initiativen
Christine Schweitzer ist Co-Geschäftsführerin beim Bund für Soziale Verteidigung und Redakteurin des Friedensforums.