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Das Bündnis „Rheinmetall Entwaffnen“ versteht sich als Teil einer jungen und militanten Antikriegsbewegung
Ungehorsame Blockaden von Rüstungsproduktion und Militär
von
In Zeiten der Aufrüstung und während der größte deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall Milliardenaufträge entgegennimmt, erlauben wir uns, gegen diese Zustände Widerstand zu leisten. Für Ende August 2025 hatte unser Bündnis „Rheinmetall Entwaffnen“ zu einem antimilitaristischen Sommercamp nach Köln eingeladen. Über 1500 Menschen schlugen ihre Zelte im Kölner Grüngürtel auf, viele weitere Tagesgäste kamen hinzu, und zusammen erlebten wir eine intensive Woche voller Diskussionen und Aktionen.
Dem Rheinmetall-Entwaffnen-Bündnis gelingt damit etwas, was in der Bundesrepublik seinesgleichen sucht: Einmal im Jahr versammelt sich ein breites politisches Spektrum, das von außerparlamentarischen und parlamentarischen Linken über Friedens- und Antikriegsbewegte bis zu Anarchist*innen und Kommunist*innen reicht. Seit den ersten Camps 2018 und 2019 im niedersächsischen Unterlüß, wo große Rheinmetall-Produktionsstätten stehen, ist die Zahl der Camper*innen stetig angewachsen.
Rheinmetall Entwaffnen hat eine Anziehungskraft insbesondere für Menschen, die sich gerade politisieren und gegen Krieg und Aufrüstung aktiv werden wollen. Die antimilitaristischen Zeltlager mit inhaltlichen Veranstaltungen und die rebellischen Massenaktionen lassen die Zukunft einer jungen und entschlossenen Antikriegsbewegung aufscheinen. Das jährliche Angebot von Rheinmetall Entwaffnen ist eine passende Ergänzung einerseits zu den vielen kleinen Aktivitäten lokaler Gruppen der traditionellen Friedensbewegung, die Infotische, Veranstaltungen und Debatten organisieren, und andererseits zu den großen Friedensdemos mit Parteiredner*innen aller Couleur.
Bei Rheinmetall Entwaffnen kommen Menschen zusammen, die so radikal sind, wie es die Wirklichkeit erfordert. Wenn Hunderte Milliarden in die Rüstung fließen, die anderswo fehlen, wenn die Bundeswehr hochgerüstet, wenn die Gesellschaft propagandistisch auf Krieg vorbereitet, wenn ungefragt und gegen den ausdrücklichen Willen von Auszubildenden und Schüler*innen die Wehrpflicht eingeführt wird, dann schreien diese Verhältnisse nach entsprechend wirkungsvollen Protestformen.
Während der Rheinmetall-Entwaffnen-Camps loten wir gemeinsam aus, was möglich ist, wenn wir uns selbst ermächtigen, um den kriegerischen Alltag zu stören. In Aktionstrainings üben wir, wie wir mit all denen, die zu Grenzüberschreitungen und massenhaften Ungehorsam bereit sind, effektiv die Rüstungsproduktion und militärische Einrichtungen blockieren und für einige Zeit stilllegen können. Danach versperren wir bei Schichtbeginn die Eingänge zu den Waffenkonzernen, so dass im Werk an diesem Tag nichts mehr läuft. Unsere Erfahrungen zeigen, dass einige Firmen die Produktion schon stoppen, wenn wir nur zu Blockaden aufgerufen haben: Sie geben ihren Beschäftigten für diese Zeit frei.
Staatliche Reaktionen
Die staatlichen Reaktionen auf unsere Aktivitäten in den vergangenen acht Jahren zeigt, welche Auswirkungen die von Bundeskanzler Scholz ausgerufene „Zeitenwende“ für Proteste hat, die sich den Plänen zur Militarisierung der Gesellschaft und dem Kriegsregime entgegenstellen. Bei unseren ersten Blockaden 2018 war noch keine Polizei anwesend. Rheinmetall wollte damals keine öffentliche Aufmerksamkeit auf sich und unsere Proteste ziehen. Aus diesem Grund wurden unsere Blockaden 2020 in Kassel von der anwesenden Polizei noch geduldet. Aber inzwischen, im Jahr 2025, hat unser Aufruf zur Aktionswoche in Köln die Polizei so verschreckt, dass sie kurzerhand ein Camp-Verbot verhängt hat. Mit einer Klage gegen das Verbot konnten wir vor dem Oberverwaltungsgericht Münster unser Recht auf Versammlungsfreiheit erfolgreich erstreiten und mit vielfältigen Aktionen in und um Köln sichtbar werden. Zum Abschluss der Campwoche hat jedoch die Kölner Polizei – in Absprache mit dem Innenministerium unter Herbert Reul – unsere Parade/Demo gestoppt und zerschlagen. Sie haben damit nochmals gezeigt, dass sie unseren Protest nicht in der Stadt haben wollen. Aber wir lassen uns nicht einschüchtern und werden weitermachen.
Neben der Rüstungsindustrie haben wir im Sommer 2025 in Köln auch Einrichtungen der Bundeswehr in den Fokus genommen, um der Hochrüstung der Bundeswehr und den Plänen zur Einführung der Wehrpflicht gerecht zu werden. So blockierten wir an dem Tag, als das Bundeskabinett das Gesetzgebungsverfahren zur Einführung des Wehrdiensts beschlossen hat, in Köln das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, das für die Wehrpflichtigen zuständig sein wird.
Aktuell diskutieren wir, wie wir all diejenigen unterstützen können, die sich der anlaufenden Wehrerfassung verweigern, indem sie die von der Bundeswehr zugesandten Briefe ignorieren und den Online-Fragebogen nicht ausfüllen werden. Wir laden alle, die sich verweigern, zu unseren Aktivitäten und unserem Camp in diesem Jahr herzlich ein.