NATO-Manöver in Hamburg

Aktivitäten gegen das NATO-Manöver „Red Storm Bravo“ in Hamburg

von Tom WeitkämperSvenja Horn
Initiativen
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Tom Weitkämper und Svenja Horn

Vom 23.-27.09.2025 hat in Hamburg das Bündnis „Kein-NATO-Hafen“ die Friedenswoche „Nein zur NATO-Kriegsübung Red Storm Bravo! Ja zur zivilen Entwicklung!“ organisiert, mit u.a. einer stadtweiten Kundgebung sowie einer bundesweiten Demonstration. Mit einer Pressekonferenz wurden viele positive Berichte hervorgebracht, mit Flugblattverteilungen an den Knotenpunkten der Stadt aufgeklärt und markante Teile des Stadtbildes mit Transparenten verschönert. (1)

Die NATO-Übung bot eine gute Gelegenheit, den Spieß umzudrehen und die NATO gegen den Versuch, Stadt und Zivilgesellschaft für den Hochrüstungs-Irrsinn der Herrschenden zu vereinnahmen, mit einer neuen Qualität kämpferischen Selbstbewusstseins für zivile Entwicklung adäquat willkommen zu heißen.

Krankenhäuser sollten Kriegsnotfälle proben, Schulen Luftschutzübungen durchführen, Arbeitsämter ausfallende Arbeitskräfte für „verteidigungsrelevante Konzerne“ ersetzen, der Hafen die Verlegung von Kriegsgerät und Truppen an die „Ostflanke“ proben und die Bezirksämter dabei unterstützen. Krieg ist ohne Indienstnahme der Zivilgesellschaft nicht zu machen - wir haben es also vollständig in der Hand! 

Die forcierte Militarisierung aller gesellschaftlichen Bereiche fordert alle heraus, sich zum Faktor gesellschaftlicher Veränderung zu machen. Jedes NEIN zu Militarismus und Aufrüstung hat friedensstiftende Bedeutung. Es ist ein entscheidendes JA zur Verwirklichung einer zivilen, am Menschen orientierten Perspektive. Als Klammer der Aktivitäten haben wir uns entsprechend auf das Gedicht „Dann gibt es nur eins“ von Wolfgang Borchert bezogen.

Vereinte Nationen statt NATO
Die aktuelle Krise ist rundum zu befürworten! Auf der Tagesordnung steht, die 1945 gefassten Konsequenzen – wesentlich der Zusammenschluss der Völker als Vereinte Nationen für kooperative soziale Entwicklung im globalen Maßstab – umfassend zu realisieren. Dabei bildet die grundsätzliche Kritik an der NATO als wesentlicher Hemmschuh der produktiven Menschheitsentwicklung eine Einheit mit radikal-reformerischen Perspektiven für alle gesellschaftlichen Bereiche. Sich gegen die fortschreitende Militarisierung zu wenden, ist bedeutsam, da die Herrschenden so die längst überkommenen kapitalistischen Verhältnisse nach innen und nach außen verteidigen. Die Durchsetzung sozialer Verbesserungen in der BRD bildet eine Einheit mit der Herausbildung friedlicher Beziehungen der Bevölkerungen weltweit.

Sich diese Orientierung anzueignen, ist relevant, weil so eine neue Qualität der Zusammenarbeit von Mitstreiter*innen aus den vielzähligen Friedensinitiativen, den Gewerkschaften, den Jugendverbänden, der Studierendenbewegung und den progressiven Parteien und gleichzeitig die Aufhebung zweier „Richtungen“ der Friedensbewegung, die sich in den vergangenen Jahren unproduktiv ausgebremst haben, gelingt.

Konsequenzen für die Friedensbewegung
Mit dem sog. Ende der Geschichte nach 1989 und der massiven Propaganda von der „schönsten aller Welten“ mitsamt „Friedensdividende“ setzte sich hinterrücks auch in der Friedensbewegung die Auffassung durch, dass die Überwindung kapitalistischer Verhältnisse nun Ding der Unmöglichkeit sei. Das führte auf der einen Seite dazu, die Brutalität der Kriege zu skandalisieren, an die Herrschenden zu appellieren und bescheiden auf die Abwehr von Verschlechterungen zu orientieren. Auf der anderen Seite wurde „Frieden“ zur harmonischen Blümchenwiese verkehrt und der Perspektive der Überwindung jeglicher Gewalt beraubt.

Richtig ist, Frieden ist andauernde Vermenschlichungsarbeit: Es geht darum, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“  (2)

Freude statt Märtyrertum
„Die Klassiker lebten in den finstersten und blutigsten Zeiten. Sie waren die heitersten und zuversichtlichsten Menschen.“ (3)

Weil wir für eine vollumfängliche Vermenschlichung streiten, ist der Kampf dafür eine erfreuliche Angelegenheit. Der Mensch ist klug, humorvoll und kreativ. Um die Friedensbewegung zu sein, die es in diesen Zeiten braucht, müssen wir aufhören, „die Leute“ da abholen zu wollen, wo sie nicht mal stehen.

Was uns tatsächlich attraktiv macht, ist die grundsätzliche Gegnerschaft zum kulturellen Gang und Gäbe. Wenn die Herrschenden fordern, wir sollen für das Vaterland verzichten, werden wir umso anspruchsvoller und lebensfroher. Wenn sie fordern, wir sollen Befehl und Gehorsam lernen, werden wir umso frecher. Wenn sie fordern, wir sollen an Bildung und Kultur sparen, werden wir umso klüger und kulturvoller. Die Vorwegnahme besserer, menschlicherer Verhältnisse ist verführerisch, ihr kann sich kein Mensch entziehen. 

Anmerkungen
1 Dokumentation: www.kein-nato-hafen.de 
2 Karl Marx, 1844: Kritik der hegelschen Rechtsphilosophie.
3 Bertolt Brecht, 1939: „Die Klassiker und ihre Zeit“, In: Me-ti/Buch der Wendungen

Rubrik

Initiativen
Tom Weitkämper ist aktiv bei der Linksjugend [´solid] Hamburg.
Svenja Horn ist aktiv bei der Hamburger Initiative gegen Rüstungsexporte.