Atomwaffen abschaffen - in Büchel anfangen

von Roland Blach
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Zu einer einwöchigen Atomwaffen-Frei-Zeit trafen sich vom 1.-8. August ca. 30 Personen, darunter auch eine Delegation des Deutsch-Japanischen Friedensforums aus Berlin, im kleinen Moselörtchen Cochem. Das Friedenscamp, das von der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen organisiert sowie von der IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs) und Ohne Rüstung Leben unterstützt wurde, sollte eine gelungene Mischung aus Freizeit und Aktion werden. Die völkerrechtswidrige Lagerung von 11 US-Atomwaffen auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel war zum wiederholten Mal Ausgangspunkt verschiedener Protestaktionen und Veranstaltungen.

So kam es am Anfang bereits zu einer spannenden und engagiert geführten Podiumsdiskussion in der katholischen Gemeinde in Cochem. Neben Vertretern der Parteien (CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grüne) waren auch die IPPNW sowie das Darmstädter Signal, eine kritische Soldatenvereinigung, mit von der Partie. Einigkeit bestand darüber, die Atomwaffen abzuschaffen, über das wie bestanden teilweise erhebliche Meinungsunterschiede.

Einzig Peter Bleser, Bundestagsabgeordneter der CDU, verwies auf ein Minimum an Schutz, der gewährleistet werden müsse, um sich gegen eine potentielle Bedrohung wehren zu können. Er nahm die NATO-Strategie des nuklearen Ersteinsatzes ebenso in Schutz wie die Bundeswehr, die für den Erhalt des Friedens beitragen würde. Er bezeichnete den Fliegerhorst Büchel als "Friedenscamp". So können Worte verdreht werden. Bündnis 90/Die Grünen sprachen sich dafür aus, Büchel langfristig zu einem Friedenscamp z.B. für UNO-Einsätze umzufunktionieren. Darin bestünde eine große Chance, als Alternative zu Militär und Gewalt.

Der Hiroshimatag galt dem Gedenken an die Opfer des ersten Atombombenabwurfs. Am Morgen versammelten sich ein Dutzend Personen in der Cochemer Fußgängerzone zu einer Mahnwache mit Schweigen und Gesang. Am Nachmittag fand eine kleine Kundgebung am Haupttor des Fliegerhorstes statt. Die 50 Personen, die sich eingefunden hatten, schmückten den Zaun mit einem über 250 m langen Transparent, das im Vorfeld des Camps in der ganzen Bundesrepublik von Einzelpersonen und Gruppen gestaltet wurde. Sowohl der Atomphysiker Martin Kalinowski als auch Christian Sterzing (MdB, Bündnis 90) machten auf die Bedeutung des Fliegerhorstes aufmerksam und forderten dazu auf, endlich die Abschaffung der Atomwaffen voranzutreiben. Dazu bedürfe es allerdings des Drucks von der Straße. Es müsse in die Bevölkerung hinein getragen werden, daß in Deutschland noch Atomwaffen lagern. Die Bedrohung mit diesen Massenvernichtungswaffen ist erst dann vorbei, wenn sie vollständig abgeschafft werden. Ein sehr nachdenklicher Friedensgottesdienst mit August Dahl, vielen noch bekannt von den Protestaktionen am Atomwaffenlager Hasselbach im Hunsrück und ein Lindwurm mit dem Großtransparent durch Cochem beendete den Gedenktag.

Alle TeilnehmerInnen waren sich in ihrem Resümee einig: mit der einwöchigen Präsenz vor Ort konnte das negative Bild, das in der Region Cochem von der Friedensbewegung entstanden war, erheblich revidiert werden. Eine Fortsetzung der Frei-Zeit im nächsten Jahr wurde folgerichtig bereits beschlossen. Doch dann müssen wir mehr werden, damit wirklicher Druck entstehen kann. Wer Lust hat, sich an den Vorbereitungen zu kommenden Aktionen zu beteiligen, die/der ist für die Jahrestagung vom 18.-20.9. nach Neuwied eingeladen. Näheres dazu über die Kontaktadresse.

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Landesgeschäftsführer DFG-VK Baden Württemberg, Koordinator der Kampagne „Büchel ist überall – atomwaffenfrei.jetzt“