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Proteste gegen Atomkriegsmanöver
Frieden üben – in Belgien, Deutschland und den Niederlanden
von
Im Herbst habe ich an drei Demonstrationen gegen Atomwaffen teilgenommen: in Belgien, den Niederlanden und in Deutschland. Alle diese drei Länder haben US-amerikanische Atomwaffen in ihrem Land stationiert. Alle drei Länder verweigern den Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag (AVV). Und alle drei Länder begründen ihr Handeln mit den Bündnisverpflichtungen des NATO-Bündnisses, welches eine notwendige Abschreckung und Verteidigung durch Atomwaffen notwendig machen soll.
Und in allen drei Ländern wurde bunt und friedvoll gegen die NATO-Atomkriegsübung Steadfast Noon demonstriert. Im Rahmen von „Steadfast Noon“ wird jährlich mit Atombomben-Attrappen elektronische Kriegsführung und die Aufklärung über „feindlichem“ Territorium geübt. „Wir müssen dies tun, weil es uns hilft, sicherzustellen, dass unsere nukleare Abschreckung so glaubwürdig, sicher und wirksam wie möglich bleibt“, sagte Mark Rutte in seiner Rolle als NATO-Generalsekretär 2025. In diesem Jahr wurde die NATO-Übung von den Niederlanden mit der Volkel-Militärbasis als Haupt-Stützpunkt ausgerichtet.
Kleine Brogel
Am 27. September versammelten sich ca. 150 Menschen zu einem bunten Protestmarsch durch die schöne Natur in der Nähe des Luftwaffenstützpunktes Kleine-Brogel in Belgien. Beim Zwischenstopp im Wald wurde der Beitritt Belgiens zum AVV gefordert. Zum Abschluss hielten wir an einem Nebentor der Basis eine Schweigeminute zum Gedenken an alle Opfer der Atomangriffe auf Japan, der Atomtests der Atommächte und Opfer beim Uranabbau für Atomwaffen ab. Mit einem „Die-in“ verbildlichten wir mit unseren Körpern auf dem Boden, was uns alle erwartet, wenn die hier stationierten Atomwaffen zum Einsatz kommen.
Zwei Wochen später war ich als Sprecherin bei der Friedensdemo am 11. Oktober in Nörvenich beteiligt (siehe Bericht in diesem FF).
Aktion in Volkel
Unter dem Motto „Frieden üben“ setzten wir in den Niederlanden eine bunte Aktion dagegen. Das Noelhuis, eine Catholic Worker-Gemeinschaft in Amsterdam, hatte am 16. Oktober ein Picknick am Zaun des Fliegerhorstes Volkel organisiert, und 15 Friedensaktivist*innen kamen zusammen. Nach einer kurzen Einführung mit Worten und Gesang pflanzten wir ca. 50 Bäume auf einem Feld in Sichtweite zur Start- und Landebahn in der Hoffnung, dem wahnsinnigen CO2-Ausstoß der Kampfjets symbolisch etwas entgegenzusetzen. „Wenn die Bäume wachsen, wird es ein bisschen schwieriger für die Kampfflieger, hier zu starten und zu landen“, so Frieda, die gerade erst vor zwei Wochen zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Sie hatte vor drei Jahren mit internationalen Friedensaktivist*innen die Start- und Landebahn in Volkel besetzt. „Hier wird geübt, wie man so effizient und effektiv wie möglich die ganze Welt vernichten kann. Das Wachsen von Bäumen dauert lange, und auch für den Frieden brauchen wir Geduld“, sagte Nikki vom Noelhuis. Nach einem kleinen Picknick begannen fünf Friedensaktivist*innen, mit rosa Schaufeln einen Tunnel unter den Zaun zum Fliegerhorst zu graben, um mit einer Besetzung der Start- und Landebahn die Atomkriegsübung zu unterbrechen. Sofort nach dem ersten Spatenstich wurden alle fünf Personen in polizeilichen Gewahrsam genommen und in der nächstgelegenen Polizeistation erkennungsdienstlich behandelt. Ob daraus eine Anklage erfolgt, ist unklar. In den niederländischen Medien aber wurde sowohl in Tageszeitungen, Fernsehen und Radio als auch in den Social Media ungewöhnlich viel über unseren Aktionstag berichtet, sicherlich aufgrund der Führungsrolle des Fliegerhorstes Volkel in der NATO-Übung.
Alle drei Demonstrationen in den drei Ländern waren lebhaft, bunt und fröhlich. Und klein. Aber ich glaube an die Kraft der kleinen Dinge. Von meinem US-amerikanischen Freund Brian Terrell habe ich die Worte von Pete Seegers gelernt: „Ich bin überzeugt, dass wenn die Welt diese gefährlichen Zeiten überlebt, dann waren es zehn Millionen kleine Dinge, die dazu beitrugen.“