Kriegsdienstverweigerung: Die neuen Zahlen
Die Zahl der Reservisten, die in diesem Jahr ihren Wehrpaß zurückgaben und den Kriegsdienst verweigerten hat sich nach Angaben des Bundesamtes für Zivildienst von 6000 im Jahre 1990 auf 35.000 im laufenden Jahr erhöht. (Stand 1.10.) Insgesamt verweigerten in den ersten zehn Monaten 1991 insgesamt 133.961 den Kriegsdienst. Der nachstehenden Bewertung durch das Bundesamt für Zivildienst braucht nichts hinzugefügt werden.
"Eine Prognose zur künftigen Entwicklung des Zivildienstes ist nicht möglich. Die gesellschaftlichen Veränderungen in der Welt, Krisen, Kriege und anderes können sich unvorhersehbar auf das Verweigerungsverhalten auswirken, wie das Jahr 1991 deutlich gezeigt hat". Bemerkung des Bundesamtes für den Zivildienst zu seinen statistischen Angaben.
Anteil verweigernde Soldaten und Reservisten
Jahr Soldaten Gediente Angekündigte Ungediente gesamt 1989 1.489 4.454 1.722 69.767 77.432 1990 2.647 6.084 5.569 60.279 74.579 1991 3.737 35.575 13.993 70.925 120.493
(bis 30.09.)
Zivildienstleistende und -plätze
Zivildienst: 15.10.91 15.11.91 Veränderung Zivildienststellen gesamt: 31.207 31.080 - 127davon
in den alten Bundesländern: 23.251 23.302 + 51 in den neuen Bundesländern: 7.956 7.778 - 178 Zivildienstplätze gesamt: 153.856 153.408 - 448davon
in den alten Bundesländern: 123.696 123.709 + 13 in den neuen Bundesländern: 30.160 29.699 - 461 Zivildienstleistende gesamt: 96.252 94.570 - 1.682davon
in den alten Bundesländern: 89.782 87.550 - 2.232 in den neuen Bundesländern 6.470 7.020 + 550
Griechische KDVer werden massiv bestraft
"Fahnenflucht in Zeiten der Mobilmachung" lautet die Anklage gegen griechische Kriegsdienstverweiger. Seit der Zypernkrise im Sommer 1973 befindet sich Griechenland in "Mobilmachung". Mit dem Hinweis auf die besondere Bedrohung durch die Türkei wird ein nationaler Konsens für die unnachgiebige Haltung gegenüber Kriegsdienstverweigerern aus Gewissensgründen vermittelt, der seit Jahrzehnten zu drakonischen Verfolgungen und regelmäßig über 400 Gefängnisinsassen billigt, die zwischen 3-5 Jahre Haft absitzen, weil sie das Töten aus Gewissensgründen verweigern.
Eine eher verschärfte Gangart gegen Pazifisten wurde in diesem Jahr gewählt: Wer aus der Haft entlassen ist oder einem Gerichtsverfahren entgegensieht, darf Griechenland nicht verlassen und wird vorübergehend seiner Bürgerrechte (Wahlrecht, freie Wahl der Wohnung) beraubt. In der EG ist dafür (bisher) niemand zuständig.
Eine mehrmonatige Kampagne vom "Europabüro für KDV" in Brüssel und von Amnesty International hat bisher kaum etwas bewirkt. Das Auswärtige Amt in Bonn konnte lediglich berichten, daß sie von der griechischen Regierung die verbindliche Mitteilung bekommen habe, im Laufe der Legislaturperiode (bis 1994) werde ein Zivildienst-Gesetz im Parlament behandelt. Seit 1988 versprechen griechische Regierungen dies von Mal zu Mal.
Wer etwas für griechische Verweigerer tun will wende sich an das Europabüro für KDV (EBCO), 35 rue van Elewijk, B-1050 Brüssel.
Gerd Greune ist Exekutivmitglied des Europabüros für Kriegsdienstverweigerung in Brüssel
KDV-Anträge
1956 - 1958 2.447 1959 3.257 1960 5.439 1961 3.804 1962 4.489 1963 3.311 1964 2.777 1965 3.437 1966 4.431 1967 5.963 1968 11.952 1969 14.420 1970 19.363 1971 27.657 1972 33.792 1973 35.192 1974 34.150 1975 32.565 1976 40.618 1977 69.969 1978 39.698 1979 45.454 1980 54.193 1981 58.051 1982 59.776 1983 68.334 1984 43.874 1985 53.904 1986 58.693 1987 62.817 1988 77.068 1989 77.432 1990 74.569 1991 (bis 31.10.) 133.961