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Rheinmetall entrüsten
Warum der Protest vor der Konzernzentrale von Rheinmetall notwendig bleibt
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Auch im Jahr 2026 fand die Hauptversammlung von Rheinmetall digital statt. Seit der Covid-19-Pandemie hat der Konzern das Online-Format beibehalten. Die Aktionär*innen treffen sich nicht mehr physisch in Düsseldorf, kritische Stimmen bleiben auf Distanz und Protest scheint aus dem direkten Blickfeld verschwunden. Doch genau deshalb ist es wichtig, weiterhin vor Ort sichtbar zu sein.
Mit der Aktion „Rheinmetall entrüsten“ protestierten Friedensaktivist*innen am 12. Mai erneut vor der Konzernzentrale in Düsseldorf gegen die Geschäfte eines Unternehmens, das wie kaum ein anderes von Krieg, Aufrüstung und globaler Militarisierung profitiert. Auch wenn die Hauptversammlung inzwischen digital abgehalten wird, darf der Protest nicht ins Digitale verdrängt werden. Denn die Auswirkungen der Geschäftspolitik von Rheinmetall sind real, für Menschen in Kriegsgebieten ebenso wie für die gesellschaftliche Entwicklung hierzulande.
Mehrere Dutzend Menschen versammelten sich trotz einsetzenden Regens um 11:55 Uhr vor der Konzernzentrale. Mit Transparenten, Schildern, Masken und symbolischen Geldsäcken machten sie auf die gewaltigen Summen aufmerksam, die in den kommenden Jahren in die Aufrüstung fließen sollen. Nach aktuellen Planungen könnte der deutsche Militärhaushalt bis 2030 auf bis zu 180 Milliarden Euro jährlich anwachsen – eine unvorstellbare Summe, von der erhebliche Teile bei Rüstungskonzernen wie Rheinmetall landen werden.
Die Aktivist*innen thematisierten dabei nicht nur die Profite des Konzerns, sondern auch die gesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung. Während bei sozialer Infrastruktur, Bildung oder Klimaschutz regelmäßig über Sparzwänge diskutiert wird, scheinen für militärische Aufrüstung plötzlich nahezu unbegrenzte Mittel verfügbar zu sein. Die Geldsäcke symbolisierten deshalb nicht nur die Gewinne des Konzerns, sondern auch die politische Prioritätensetzung einer Gesellschaft, die immer stärker auf Militarisierung setzt.
Besonders kritisch zu sehen ist die zunehmende Normalisierung von Rüstungsproduktion mitten im öffentlichen Raum. Zum Beispiel baut Rheinmetall inzwischen wieder schwere Bomben in Berlin – im Wedding, direkt neben dem teilweise eingestürzten ehemaligen Flakturm am Humboldthain. Dass dort heute erneut Waffenproduktion stattfindet, während gleichzeitig politisch und medial von „Kriegstüchtigkeit“ gesprochen wird, verdeutlicht die gefährliche gesellschaftliche Entwicklung der Gegenwart.
„Friedensangst“
Auch Aussagen aus dem Umfeld des Konzerns, wonach eine mögliche „Friedensangst“ bestehe – also die Sorge, dass ein Ende militärischer Eskalationen auch das immense Wachstum der Rüstungsindustrie gefährden könnte – verdeutlicht die Absurdität eines Systems, in dem wirtschaftlicher Erfolg zunehmend an Krieg, Unsicherheit und globale Konflikte gekoppelt wird.
Die jährliche Kundgebung vor der Rheinmetall-Zentrale ist deshalb weit mehr als ein symbolischer Termin. Sie ist ein bewusster Versuch, die gesellschaftliche Normalisierung von Rüstungskonzernen zu durchbrechen. Rheinmetall präsentiert sich zunehmend als gewöhnlicher Industriekonzern, als unverzichtbarer Bestandteil deutscher Sicherheits- und Wirtschaftspolitik. In Politik und Medien wird die massive Aufrüstung vielfach als alternativlos dargestellt, während die Gewinne der Waffenindustrie öffentlich gefeiert werden. Genau dieser Gewöhnung wollen wir etwas entgegensetzen.
Denn Rheinmetall ist kein gewöhnliches Unternehmen. Die Produkte des Konzerns tragen weltweit zur Eskalation von Konflikten bei und machen ihn mitverantwortlich für Krieg, Leid und Zerstörung. Gleichzeitig profitiert der Konzern massiv von politischen Entscheidungen zur Aufrüstung. Milliarden aus dem sogenannten Sondervermögen der Bundesregierung fließen direkt oder indirekt in die Kassen der Rüstungsindustrie. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine 2022 ist der Aktienkurs von Rheinmetall um mehr als 1.500 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung zeigt, wie eng Krieg und Profitinteressen miteinander verbunden sind.
Hinzu kommt, dass Rheinmetall seine militärische Produktion weiter ausbaut, während zivile Unternehmensbereiche verkauft werden sollen. Statt Perspektiven für eine Konversion hin zu ziviler und gesellschaftlich sinnvoller Produktion zu entwickeln, vertieft der Konzern seine Abhängigkeit vom Kriegsgeschäft weiter. Dabei wäre eine Umstellung auf zivile Produktion angesichts sozialer und ökologischer Krisen dringend notwendig.
Gerade weil die Hauptversammlung heute im digitalen Raum stattfindet, ist der Protest vor Ort umso wichtiger. Die Kundgebung schafft Öffentlichkeit, macht Widerspruch sichtbar und erinnert daran, dass Aufrüstung und Kriegsprofite keine gesellschaftliche Normalität werden dürfen. Wenn die Waffenindustrie versucht, sich als legitimer Teil gesellschaftlicher Zukunftsplanung zu präsentieren, braucht es eine Friedensbewegung, die genau diese Entwicklung skandalisiert.