Friedensbewegung ist aktiv

Bremen lädt zum Kirchentag

von Ekkehard Lentz
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( c ) Netzwerk Friedenskooperative

Wenige Wochen nach der Konferenz „60 Jahre NATO-Frieden ist etwas anderes“ der "Kooperation für den Frieden" in Bremen rückt die Stadt erneut in den Fokus der Friedensbewegung. Unter dem Motto: „Mensch, wo bist Du?“ findet vom 20. bis 24. Mai der 32. Deutsche Evangelische Kirchentag mit rund 3000 Veranstaltungen statt. Auch Friedensgruppen werden sich zu Wort melden.

Rüstungsstandort Bremen
Die Gastgeberstadt Bremen hat in den letzten Jahren in der Tourismusbranche eine immer größere Bedeutung gewonnen. Wer durch die schöne Hansestadt bummelt, erfährt viel über die historischen Bauwerke und Traditionen, über Handel und Wandel in Geschichte und Gegenwart, über „Werder Bremen“ und „Becks Bier“. Die Touristen erfahren jedoch wenig von der Rüstungsproduktion und den damit verbundenen Geschäften und Exporten.

Durch die Beteiligung der Firmen Atlas-Elektronik, EADS, Lürssen-Werft, OHB und Rheinmetall Defence Electronics an der Waffenproduktion gilt Bremen als eine „Rüstungshochburg“. Diese Betriebe leisten mit Satelliten und Drohnen, mit Elektronik für Marine und Heer, durch Kriegsschiff- und Flugzeugbau einen Beitrag zur Verbreitung von Kriegswaffen und Ausrüstungen. Die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft verschifft Kriegsmaterialien für den Export.

Seit neun Jahren hält die Bundeswehr ihre Neujahrsempfänge nicht mehr in der Kaserne, sondern im Rathaus ab. Dieses Jahr sagte Konteradmiral Jens-Volker Kronisch, Befehlshaber des Wehrbereichs I Küste, in Afghanistan und bei den anderen Auslandseinsätzen gehe es um „das Eintreten für nationale Interessen“. Der Begriff der „Verteidigung“ sei dafür nicht ganz passend, erleichtere aber die „Akzeptanz für diese neuen Aufgaben“ (Weser-Kurier, 23. Januar 2009). Eine Woche zuvor sprach der ehemalige Inspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, in der Handelskammer auf Einladung der „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ und plädierte für „vorbeugende nukleare Angriffe“.

Ein halbes Jahr zuvor war die Bremer Musical Company in Afghanistan, um mit heiteren Melodien die dort kämpfende Bundeswehrtruppe zu betreuen, finanziert von der evangelischen Soldatenbetreuung. "Wenn einem ein Soldat in den Armen liegt und vor Freude weint, weiß man, dass man das Richtige tut“ (Zitat des Ensemble-Mitglieds Tina Maria Brenner, Bremer Anzeiger, 29. Juli 2008). Lale Andersen lässt grüßen.

Das „Rote-Kreuz-Krankenhaus“ in Bremen hat mit der Bundeswehr einen Vertrag abgeschlossen, der dieser in besonderen Fällen bestimmte Rechte einräumt. Die Streitkräfte scheinen sogar zu beabsichtigen, in nicht allzu ferner Zukunft die Vertrags-Kliniken vollständig zu vereinnahmen. Ein Indiz hierfür ist in folgender Begründung aus Armeekreisen zu sehen: „Unter Berücksichtigung der bei Soldaten (...) zu erwartenden traumatischen Akutversorgung (äußere Verletzungen) sollten geeignete zivile Krankenhäuser bestimmte Kriterien erfüllen. Sie sollten über spezifische (...) Fachgebiete wie Orthopädie, Urologie, Neurochirurgie, Mund-Kiefer-Chirurgie verfügen“ (www.bundeswehr.de). All das ist sicher nicht typisch nur für Bremen, sondern hat Parallelen im Bundesgebiet. Es macht deutlich, wie der Militarismus voranschreitet.

Demonstration während des Kirchentags
"Für eine deutsche Friedenspolitik" lautet der Aufruf des Bremer Friedensforums und der DFG-VK Bremen zu einer Demonstration während des Kirchentages am Samstag, 23. Mai. Treffpunkt ist im Steintorviertel um 11 Uhr (Ziegenmarkt/Friesenstraße). Für die Kundgebung um 12 Uhr auf dem Hillmannplatz in der Nähe des Hauptbahnhofs hat als Hauptredner der Psychologe und Theologe Dr. Eugen Drewermann zugesagt. Der Aufruf zur Demonstration kritisiert die Auslandseinsätze der Bundeswehr, die Teilnahme am Krieg in Afghanistan, die Steigerung von Rüstungsproduktion und -export sowie den Ruf nach Einsätzen der Bundeswehr im Inneren. Die Demonstration setzt sich für eine Außenpolitik ein, die der Abrüstung, zivilen Konfliktlösungen und der Völkerverständigung dient. Die Aktion wird unter anderem unterstützt von: Aktionsgemeinschaft Dienste für den Frieden, Bundesausschuss Friedensratschlag, Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsgegnerInnen, Internationaler Versöhnungsbund Deutscher Zweig, Kooperation für den Frieden und Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten.

Veranstaltungen der Friedensbewegung auf dem Kirchentag
Das Bremer Friedensforum ist auf dem Kirchentag unter anderem im „Diakonischen Dorf“ auf dem Unser Lieben Frauenkirchhof vertreten: am Samstag, 23. Mai, spricht um 14.30 Uhr Lühr Henken über die Bedeutung der Rüstungsproduktion in der Hansestadt. Sein Thema: „Statt Waffen Brot für die Welt!"

Auf dem „Markt der Möglichkeiten“, einer Art Messe, auf der sich bei jedem Kirchentag höchst unterschiedliche Gruppen mit Ständen präsentieren, sind viele Friedensgruppen vertreten. Verschiedene von ihnen werden am Eröffnungstag des Kirchentages ihre Arbeit bei Informations- und Aktionsständen im Marktbereich 3 "Chancen für die Welt", Untergruppe "Gewalt überwinden" vorstellen. Dieser Teil findet in der aufstrebenden Überseestadt, im ehemaligen Überseehafen, statt.

Das Friedenszentrum des Versöhnungsbundes befindet sich während des Kirchentages in der Andreas-Gemeinde in Bremen-Horn, Werner-von-Siemens-Straße 55.

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Ekkehard Lentz, * 1955, Mitbegründer und Sprecher des Bremer Friedensforums, arbeitet hauptberuflich als Erzieher in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Er nahm 1979 als Friedensbewegter zum ersten Mal an einem Kirchentag in Nürnberg teil und protestierte seinerzeit wie auch bei den weiteren Kirchentagen in Hamburg und Hannover gegen die drohende Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik.