Friedensorganisationen kooperieren stärker und wollen PR-Arbeit für die Idee des Zivilen Friedensdienstes machen

Erste Regionalkonferenz Münsterland

von Robert Hülsbusch
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Der erste Schritt zu einer Regionalgruppe "Förderung des Zivilen Friedensdienstes" ist getan. Am Samstag trafen sich in Nottuln-Appelhülsen 13 Friedensorganisationen aus dem Münsterland, um über eine zukünftige engere Koordination ihrer Arbeit zu beraten.

Beschlossen wurde, in der Region Münsterland intensiv für "einen dritten Weg zwischen Wegschauen und rein militärischen Einsätzen in Krisengebieten" zu werben. Michael Keimburg von der Friedensinitiative Nottuln, die zu diesem Regionaltreffen eingeladen hatte: "Gemeinsam wollen wir die Konzeption des ,Zivilen Friedensdienstes` in die Bevölkerung tragen, planen Veranstaltungen, Ausstellungen und Projekte dazu."

Als ersten Schritt verabredeten die Friedensgruppen, im Rahmen des Nottulner Friedensfestes am 20. August eine umfassende Information und Diskussion zum "Zivilen Friedensdienst" zu organisieren. Politiker, Wissenschaftler und Organisationen aus der Friedensbewegung werden dazu nach Nottuln kommen. Für den September wird zu einer zentralen Veranstaltung mit Friedensfachkräften, die bereits ausgebildet sind und Erfahrungen im Einsatz haben, eingeladen. Organisatorische Fragen der neuen friedenspolitischen Regionalgruppe sollen im Anschluss daran geklärt werden.

Der Münsteraner Jens Dechow vom Forum Ziviler Friedensdienst (FZFD) stellte zu Beginn der Regionalkonferenz am Samstagnachmittag das Profil der neuen Friedensfachkräfte vor. An der Entwicklung sei das Forum maßgeblich beteiligt gewesen. In einem Pilotprojekt der nordrhein-westfälischen Landesregierung seien erste Erfahrungen gemacht worden: Über 5 Monate erhalten Männer und Frauen eine spezielle Ausbildung als Friedensfachkraft, die in der Lage ist, in Krisengebieten vermittelnd einzugreifen. Im Idealfall geschieht dies im Vorfeld einer Auseinandersetzung, also präventiv. Aber auch in heißen kritischen Phasen sollen sie vermittelnd tätig werden. Nach einer Krise, auch nacheinem Krieg können sie helfen, Versöhnungsarbeit zu leisten. Klare Voraussetzungen - so Dechow - sind für diesen "Job" zu erfüllen. So müssen Interessenten beruflich vorqualifiziert sein, ideal seien Erfahrungen in sozialen und medizinischen Berufen. Erwartet wird von den Absolventen der Ausbildung ein gefestigtes Persönlichkeitsbild, teamfähig müssen sie sein, Fremdsprachen beherrschen und möglichst Erfahrungen mit anderen Kulturen haben. Und sie müssen mindestens 25 Jahre alt sein - "also", so das Resumee von Dechow, "Träumer oder gar Abenteurer sind nicht gefragt!" Der "Zivile Friedensdienst" sei ein modernes Handlungsinstrument, das in erste Linie auf die untere, nicht diplomatische Ebene einwirke, direkt an den Auseinandersetzungen der Menschen ansetze.

Umfassend stellte Winni Nachtwei, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, neue nicht militärische Ansätze der Krisenbewältigung der Berliner Regierung vor. Erst vor zwei Tagen waren die Abgeordneten davon ausführlich im Unterausschuss Abrüstung unterrichtet worden. Sein Fazit: Nach dem Kosovo-Krieg hat eine erhebliche Nachrüstung, eine Modernisierung des Militärs in Europa eingesetzt. Aber - so Nachtwei - zum ersten Mal wird auch ernsthaft über nichtmilitärische Alternativen nachgedacht, werden Mittel zur Verfügung gestellt, Konzepte entwickelt und erste Schritte getan. So läge nun dem Bundessicherheitsrat ein "Gesamtkonzept Krisenprävention" vor. Das Auswärtige Amt habe begonnen, Trainings für internationale zivile Friedensmissionen zu organisieren und einen Personalpool für Einsätze aufzubauen. Im Rahmen der Entwicklungsarbeit würden Friedenskräfte ausgebildet. Nachtwei: "Das sind Beispiele, die zeigen, dass ein neues Denken eingesetzt hat." Am Ende könnte ein internationales ziviles Friedenskorps stehen. Wichtig sei es nun, für diese Entwicklung ein öffentliches Klima zu schaffen. "Daran werden wir im Münsterland mitwirken," schloss Michael Keimburg die Regionalkonferenz. "Der Anfang ist hier in Appelhülsen gemacht".

 

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Robert Hülsbusch, Friedensinitiative Nottuln.