Unsere Aktivitäten im Krisen-Jahr 2020
Unser Rückblick auf das Jahr 2020
Unser Rückblick auf das Jahr 2020

Mit der Corona-Pandemie hat das Jahr 2020 die gesamte Gesellschaft vor eine riesige Herausforderung gestellt. Die Friedensbewegung war davon nicht ausgenommen. Auf zahlreichen Ebenen mussten wir als Netzwerk Friedenskooperative neue Wege für unseren Einsatz für eine friedlichere Welt finden. Gewohnte Selbstverständlich waren in diesem Jahr nicht oder nur unter Einschränkungen machbar. Die Corona-Krise hat unsere Arbeit auf so viele Arten auf den Kopf gestellt – und dennoch können wir auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Auch 2020 konnten wir eine Vielzahl an Aktivitäten der Friedensbewegung initiieren, durchführen und unterstützen. Und auch in diesem Jahr stand die Arbeit im Rahmen der vom Netzwerk Friedenskooperative mitgetragenen Kampagnen im Zentrum unserer Arbeit.

Mit unserem Jahresrückblick möchten wir dir in diesem Jahr einen Einblick in unsere Arbeit geben. Dass wir diese Arbeit leisten können, ist nur durch die vielen kleinen und großen Spenden möglich, für die wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchten! Ebenso danken möchten wir ausdrücklich unserem Ehrenamtler Andreas sowie unseren Praktikant*innen Karo, Ronja, Kevin, Kathi und Jana, die eine wirklich wichtige Stütze für unsere Arbeit waren. Ohne euch wäre vieles, was wir in diesem Jahr geschafft haben, nicht möglich gewesen!

Im kommenden Jahr steht mit der Bundestagswahl ein enorm wichtiges Jahr für die Friedensbewegung bevor. Damit wir Abrüstung im Wahlkampf zu einem der zentralen Themen machen können sind wir auf weitere Unterstützung angewiesen. Bitte unterstütze uns mit einer einmaligen Spende oder einer Fördermitgliedschaft. Herzlichen Dank!

 

+++ Jahresrückblick 2020 +++

 

Kampagnenarbeit

Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt
Erfolge im Bereich der nuklearen Abrüstung gibt es nur selten. Und wenn es sie gibt, kommen diese häufig nur schleichend voran. Doch 2020 konnten wir gleich drei große Erfolge verzeichnen!

Im Frühjahr konnte die von uns mitgetragene Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“ gemeinsam mit vielen weiteren Organisationen den Plänen der Verteidigungsministerin zum Kauf neuer Atombomber erfolgreich ein Riegel vorschieben. Eine von der Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“ mitgetragene Mailaktion sowie zahlreiche Gespräche mit Abgeordneten haben dafür gesorgt, dass der Kauf neuer atomwaffenfähiger Flugzeuge für die Bundeswehr auf die kommende Legislaturperiode verschoben werden musste. Ein großer Erfolg, denn dadurch droht Deutschland nun aus technischen Gründen aus der nuklearen Teilhabe der NATO auszuscheiden.

Im Oktober folgte dann der nächste große Erfolg: Als 50. Staat ratifizierte Honduras das UN-Atomwaffenverbot. Dadurch wurde der Weg für das Inkrafttreten des Vertrages im Januar 2021 bereitet. Schon jetzt arbeiten wir mit Hochdruck an Aktionen, damit Deutschland nach der Bundestagswahl diesem historischen Vertrag beitritt. Wir machen Druck um, die Forderung für einen Beitritt in den Wahlprogrammen der Parteien zu verankern Gelungen ist uns dies im November im neuen Grundsatzprogramm der Grünen.

Hiroshima- / Nagasaki-Gedenktag 2020
Hiroshima- / Nagasaki-Gedenktag 2020

Ein dritter großer Erfolg im Bereich „Atomwaffen“ waren die diesjährigen Hiroshima- / Nagasaki-Gedenktage im August. Gemeinsam mit der „atomwaffenfrei.jetzt“-Kampagne konnten wir eine bundesweite Großflächenaktion initiieren. Das ursprüngliche Ziel 75 Jahre nach dem Atomwaffenabwurf „75 Großflächenplakate in 75 Städten“ zu plakatieren, konnten wir erfreulicherweise weit übertreffen! Mit der großen Unterstützung von Spenderinnen und Spendern konnten rund um die Gedenktage in mehr als 150 Städten mehr als 275 Großflächenplakate plakatiert werden. Damit konnten wir  die Erinnerung an die Opfer der Atombombenabwürfe auf die beiden japanischen Städte und die Forderung nach dem Beitritt zum UN-Atomwaffenverbot gemeinsam in die breite Öffentlichkeit tragen. Begleitet wurde die Großflächenkampagne u.a. von einer Aktionswebsite samt Fotoaktion, die wir unter www.hiroshima-nagasaki.info für die Friedensbewegung zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus haben wir zu Beginn des Jahres im Rahmen einer Unterschriftenaktion auf den zehnten Jahrestag des Bundestagsbeschlusses zum Abzug der Atomwaffen aus Deutschland hinweisen. Mit dieser Aktion konnten wir uns an der von SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich angestoßenen Debatte um die nukleare Teilhabe beteiligen.

 

abrüsten statt aufrüsten
Die vom Netzwerk Friedenskooperative mitgetragene Initiative „abrüsten statt aufrüsten“ konnte mit ihrer Unterschriftenaktion in diesem Jahr die 175.000er-Marke knacken. Mit dem „Frankfurter Appell“ gab die Initiative am 11. Oktober einen wichtigen Impuls für die Senkung der Rüstungsausgaben und für eine neue Entspannungspolitik, der nicht nur breite Unterstützung in der Friedensbewegung, sondern auch bei den Gewerkschaften, der Klimabewegung und im Kulturbereich fand.

Bei dem Aktionstag der Initiative beteiligten sich am 5. Dezember Aktive in rund 100 Städten bundesweit. Ein starkes Zeichen für Abrüstung anlässlich der kurz darauf bevorstehenden Verabschiedung des Bundeshaushaltes für 2021. Das Netzwerk Friedenskooperative hat die Initiative dabei mit umfassender Infoarbeit und Materialversand unterstützt.

 

„Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“

Bereits in den vergangenen Jahren haben wir die Aktivitäten der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ eng begleitet und unterstützt. Seit Herbst 2020 gehört das Netzwerk Friedenskooperative nun auch dem Trägerkreis der Kampagne an. Als erste gemeinsame Aktion haben wir den Appell an den Deutschen Bundestag für ein Rüstungsexportkontrollgesetz gestartet. An diesem Appell kannst du dich hier über unsere Aktionswebsite „Lobbying4Peace“ mit einer Mail an deine*n Abgeordnete*n beteiligen.

Einen Teilerfolg zum Thema Rüstungsexporte gibt es im Fall von Saudi-Arabien. Bereits 2018 hatten wir uns mit einem Protestbrief, der von über 3.000 Personen und 44 Organisationen unterzeichnet wurde, an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewendet. Anlass war die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Kashoggi. Die Forderung nach dem Stopp der Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien wurde umgesetzt (wenn auch mit Schlupflöchern für europäische Projekte). Der seitdem bestehende Stopp von Rüstungslieferungen wurde im Dezember 2020 erneut verlängert.

Rüstungsexportkontrollgesetz jetzt!
Rüstungsexportkontrollgesetz jetzt!

 

Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr
Die Kampagne “Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr” hat sich auch in diesem Jahr dafür eingesetzt, das Rekrutierungsalter für den Militärdienst auf 18 Jahre anzuheben sowie ein Verbot jeglicher Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen einzuführen. Dazu hat sie eine Vielzahl von Lobbygesprächen mit Abgeordneten von Union, SPD, Grünen, Linken und FDP geführt. Berichte zu den Gesprächen kannst du übrigens auf der Website der Kampagne finden.

Einen besonderen Schwerpunkt hat die Kampagne in diesem Jahr auf den Aktionsmonat Juni gelegt. Neben einer Postkartenaktion fanden in mehrere Städten Infostände statt und viele Politiker*innen konnten davon überzeugt werden, sich gegen die Rekrutierung von Minderjährigen durch die Bundeswehr zu positionieren.Wusstest du schon, dass sich auch „heute Show“-Moderator Oliver Welke gegen minderjährige Soldat*innen ausspricht?

Oliver Welke spricht sich gegen die Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr aus.
Oliver Welke spricht sich gegen die Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr aus.

 

MACHT FRIEDEN. Zivile Lösungen für Syrien
Die von uns mitgetragene Kampagne "MACHT FRIEDEN. Zivile Lösungen für Syrien" hat in diesem Jahr ihre Arbeit beendet und ist in der „AG MENA“ aufgegangen. Obwohl wir das Bundeswehrmandat für Syrien (und Nordirak) nicht beenden konnten, haben wir im Rahmen der Kampagne viele wichtige Erfahrungen im Bereich der Lobbyarbeit gemacht, die uns an vielen anderen Stellen zugute gekommen ist. Mit dem Kampagnenende endete auch die Anstellung unserer Campaignerin Kathi Müller. Wir freuen uns sehr zu sehen, dass sie auch weiterhin in der Bewegung aktiv ist!

 

 

Weitere Aktionen & Projekte

Stoppt Defender 2020
Mit Defender 2020 sollte zu Beginn des Jahres eines der größten NATO-Militärmanöver seit dem Ende des Kalten Krieges stattfinden. Bis Mai sollten ursprünglich Zehntausende Soldat*innen sowie Kriegsgerät von den USA aus nach Deutschland und weiter in Richtung Polen und Baltikum an die russische Grenze transportiert werden. Bereits vor der Ausbreitung der Corona-Pandemie haben wir gemeinsam mit vielen weiteren Friedensgruppen bundesweit Aktivitäten gegen das Militärmanöver initiiert. Im März haben wir dann den Eil-Appell "US-Militärmanöver Defender Europe 2020 stoppen! Gefahr für Frieden, Klima und Gesundheit bannen" gestartet, der innerhalb kürzester Zeit von mehreren Tausend Menschen unterzeichnet wurde. Hier konnte immerhin ein Teilerfolg erzielt werden. Mitte März wurde dann in der Bundespressekonferenz bekanntgegeben, dass das Großmanöver eingestellt werden soll. Am Ende fand Defender 2020 nur noch in stark abgeschwächter Variante statt. Der Protest der Friedensbewegung hat dazu seinen Teil beigetragen.

 

Appell "Gesundheit für Gesundheit statt Rüstung!"
Wir bedanken uns vielmals bei den 5.921 Unterzeichner*innen, die sich online und offline an unserer im Frühjahr 2020 gestarteten Unterschriftenaktion "Geld für Gesundheit statt für Rüstung" beteiligt haben. Wir haben den Verteidigungs- sowie Haushaltsausschuss im Dezember über diese und weitere Aktivitäten zum Thema "Abrüstung" in Kenntnis gesetzt und noch einmal dazu aufgefordert, die Ausgaben für Rüstung zu senken. Voraussichtlich wird der Bundeshaushalt 2021 am 17. Dezember beschlossen.

Neben der Unterschriftenaktion haben wir zusätzlich noch zahlreiche Aktionsmaterialien wie Banner, Masken, Aufkleber und Schilder gestaltet und der Bewegung zur Verfügung gestellt. Wirf mal einen Blick in unseren Shop! Dort findest du alle Aktionsmaterialien zum Thema "Gesundheit statt Rüstung!".

Sharepic Krankenhäuser statt Kampfdrohnen
Sharepic Krankenhäuser statt Kampfdrohnen

 

60 Jahre Ostermärsche
Die Ostermärsche 2020 sind in diesem Jahr in Deutschland in ihr 60. Jahr gegangen. Bei allen Friedensgruppen in ganz Deutschlandliefen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Doch hatte sich die Corona-Lage zu Ostern im April bereits so sehr zugespitzt, dass fast alle Ostermärsche auszufallen drohten. Innerhalb kürzester Zeit haben wir uns mit anderen Friedensorganisationen koordiniert, um alternative Protestformen zu ermöglichen. Ein Element war die neue Aktionswebsite www.ostermarsch.de, auf der sich Friedensaktivist*innen mit ihren Fotos beteiligen konnten. Insgesamt haben  mehr als 2.000 Menschen mit ihren Bildern hochgeladen und ein beeindruckendes Zeichen für Frieden und Abrüstung gesetzt. In Zusammenarbeit mit vielen anderen Friedensorganisationen haben wir einen virtuellen Ostermarsch auf die Beine gestellt, den du dir hier auf Youtube anschauen kannst.

Ein großer Erfolg im Vorfeld des Ostermarsches war die Zeitungsanzeige "Zukunft braucht Frieden", die in der Woche vor Ostern dank der großen Unterstützung von vielen Friedensaktivist*innen im Neuen Deutschland, der taz und dem Freitag erschienen ist.

Ostermarschanzeige 2020
Ostermarschanzeige 2020

 

Keine Kampfdrohnen für die Bundeswehr
Ein weiteres großes Arbeitsfeld für das Netzwerk Friedenskooperative war 2020 die sich anbahnende Entscheidung über die Anschaffung bewaffneter Drohnen für die Bundeswehr. Dazu haben wir in diesem Jahr gleich drei Aktionen Mailaktionen über unsere neue Aktionswebsite www.lobbying4peace.de gestartet. Mit den Mailaktionen konnten sich Aktivist*innen mit Protestmails an ihre Bundestagsabgeordneten und an die SPD wenden und sie auffordern, sich gegen die Beschaffung von Kampfdrohnen auszusprechen. Die Mailaktionen haben mit dazu beigetragen, dass sich innerhalb der SPD mehrere Landesverbände gegen Kampfdrohnen positionierten. Unsere zuletzt (Anfang Dezember) gestartete Mailaktion "Trau dich, SPD! Sag Nein zu Kampfdrohnen" wurde innerhalb kurzer Zeit von mehreren Hundert Drohnengegner*innen unterstützt. Nur wenige Tage später positionierte sich SPD-Co-Vorsitzender Norbert Walter-Borjans in der "Süddeutschen Zeitung" gegen eine Entscheidung für Kampfdrohnen im Jahr 2020. Dadurch wird die Entscheidung (wahrscheinlich) erst in der kommenden Legislaturperiode gefällt. Wertvolle Zeit für die Friedensbewegung, um weiter Druck zu machen!

Mach mit, damit sich die SPD gegen die Bewaffnung von Drohnen positioniert.
Mach mit, damit sich die SPD gegen die Bewaffnung von Drohnen positioniert.

 

 

Infoarbeit

FriedensForum
2020 ist unsere Zeitschrift, das FriedensForum, sechs Mal erschienen. Dabei haben wir in den Schwerpunkten der einzelnen Hefte über folgende Themen berichtet:

Auf unserer Website kannst du in die meisten Artikel online reinlesen. Oder abonniere doch ganz einfach das FriedensForum.
 
Website
Um über die zahlreichen Aktivitäten und Themen der Friedensbewegung zu informieren, hat sich unsere Website inzwischen zu einem überaus wichtigen Werkzeug entwickelt. Mehr als 250.000 Seitenzugriffe konnten wir alleine in diesem Jahr auf www.friedenskooperative.de verzeichnen. Die meisten Seitenzugriffe entfielen dabei auf unsere Termindatenbank und die Artikel aus dem FriedensForum.

Neben unserer Website www.friedenskooperative.de, haben wir in diesem Jahr mit der neuen Aktionswebsite www.lobbying4peace.de und den Aktionswebsites zum Ostermarsch und dem Hiroshima-/Nagasaki-Gedenktag weitere Websites für die Bewegung zur Verfügung stellen können, auf die noch einmal einige zehntausend weitere Website-Klicks entfielen.

 

Podcast Lifehack Peace
Ende 2019 haben wir mit „Lifehack Peace“ unseren Podcast an den Start gebracht. In diesem Jahr konnten wir die Podcast-Reihe erfolgreich fortsetzen und veröffentlichen nun in etwa im Monatsrhythmus neue Folgen und behandeln dabei sowohl hintergründige, wie auch aktuelle Friedensthemen. Ein Dank geht an dieser Stelle an alle Interview-Partner*innen, die uns viele spannende Einblicke in ihre Themen gegeben haben!
Alle Podcast-Folgen findest du übrigens hier auf unserer Website.